In der »Spiegelgeschichte« erzählt Ilse Aichinger (1921–2016) in bis dahin ungehörter Weise das Leben einer Frau rückwärts, wofür der Österreicherin 1952 der Preis der Gruppe 47 zugesprochen wird. Auch der Roman »Die größere Hoffnung« (1948) gilt als Meilenstein der deutschsprachigen Literatur, ein kunstvolles Geflecht aus Träumen, Mythen und Geschichte, erzählt aus Sicht eines Mädchens, das als Verfolgte zu überleben versucht. Ilse Aichingers Denken und Fühlen kreist um Holocaust, Verlust, Verstummen, sie sucht die »schlechten Wörter, nicht die schönen Sätze in schönen Journalen«, und trifft dabei doch immer den richtigen Ton. Den trifft auch Maria Schrader, wenn sie sich diesem außergewöhnlichen Werk, das sich von Anfang an in Spannungsfeldern und Paradoxien bewegte, mit der ihr eigenen Empathie zuwendet.
Konzept: Joachim Hoell