FOTO: © Courtesy the artist & Galerie Guido W. Baudach, Berlin

Tamina Amadyar - setting the table

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, Ihre vierte Einzelausstellung mit Arbeiten von Tamina Amadyar zu präsentieren. Unter dem Titel setting the table zeigt die in Berlin lebende Künstlerin neue Malereien sowie eine neue raumgreifende Skulptur.

In den letzten Jahren bekannt geworden ist Tamina Amadyar mit ihren ebenso ausdrucksstarken wie reduzierten Farbflächenbildern, die aus der Transformation persönlicher Erfahrungen in abstrakte Malerei entstehen. Den Ausgangspunkt bilden dabei seit jeher gegenständliche Papierarbeiten, in denen die Künstlerin ihre Realität primär verarbeitet. Neben räumlichen Motiven tauchen darin oft Gegenstände und Personen aus Amadyars unmittelbarem Umfeld auf. Letztere sind es nun auch, die bei ihren neuen Gemälden im Fokus stehen.

So begegnet man in der Ausstellung vorwiegend Porträts, genauer gesagt, Schulterstücke in Frontalansicht. Die durchweg großformatigen Bilder zeigen Gesichter, die zu Angehörigen der Familie der Künstlerin gehören. Sie vermitteln ein Gefühl von Intimität, ein Eindruck, der sich durch die überlebensgroße Darstellung noch verstärkt. Gleichzeitig sind diese Porträts alles andere als naturalistische Wiedergaben der Konterfeis ihrer ProtagonistInnen. Denn analog zu ihrer sonstigen malerischen Praxis, unternimmt Amadyar auch hier nicht den Versuch, ihre Motive naturgetreu zu reproduzieren. Vielmehr ist ihr daran gelegen, diese aufzulösen und das herauszuarbeiten, was ihr wesentlich erscheint.

Verschiedene Tusche- und Wasserfarben bilden das speziell für diese Bilderserie ausgewählte Malmaterial. Sie verfügen über ähnliche Eigenschaften wie die Leimfarben der abstrakten Farbflächenbilder, sind transparent und schnell trocknend, führen aber auch ein schwer kontrollierbares Eigenleben, etwa indem sie unwillkürlich zerlaufen oder ineinanderfließen. Nachträgliche Korrekturen am Bild sind mehr oder weniger ausgeschlossen. Mit gebotener Ruhe nähert Amadyar sich deshalb der am Boden liegenden Leinwand an. Wenige, rasch ausgeführte Pinselstriche müssen genügen, um das gewünschte Abbild der porträtierten Person herzustellen. Details, wie Kleidung, werden nur angedeutet.

Als Hintergrund fungiert stets das Weiß der unbehandelten Baumwollleinwand.

Beinahe noch weiter geht Amadyars malerische Ökonomie bei zwei ebenfalls ausgestellten Leinwandporträts, die mit weißer Kreide auf dunklem Tafelgrund ausgeführt sind. Figuren und Gesichter treten hier als reine Silhouetten in Erscheinung, mal wie mit einem Strich durchgezeichnet, mal verwischt, neu angesetzt und in das Verwischte hineinmodelliert. Die Bilder erscheinen ebenso zart wie intensiv. Aus dem Kontrast zu den hellen Hintergründen der Tusche- und Wasserfarbenbildern erwächst eine zusätzliche Spannung.

Inmitten dieser Situation platziert Amadyar ein Werk, das manche vielleicht vom Medium her überrascht, aber gleichzeitig eine Brücke zu ihrer bislang vorherrschenden Praxis schlägt: Eine Bodenskulptur, hergestellt aus unterschiedlich großen Stücken pigmentierter Leinwand, die zu einer Art Überwurf zusammengenäht sind, der einen darunter verborgenen Unterbau bedeckt. Die farbigen Stoffe in unterschiedlichen Rottönen stammen von verschiedenen Farbflächenmalereien, die Amadyar für nicht gelungen befunden, assortiert und zerschnitten hat. Umlaufend angelegte Sitzpolster gleichen Materials runden das eigentümlich anmutende Arrangement ab. sandali, so der Titel der Arbeit, ist von einem gleichnamigen traditionellen Wärmespender aus Amadyars Herkunftsland Afghanistan inspiriert, bei dem unter einem mit Decken belegten Flachtisch glühende Kohlen aufgeschichtet sind, auf dass es sich die ganze Familie in der kalten Jahreszeit daran gemütlich machen, gemeinsam essen, trinken und miteinander plaudern kann.

Mit setting the table erweitert Tamina Amadyar ihre bisherige Praxis. Neue Arbeitsweisen und Bildsprachen halten Einzug in ihr Werk, treten neben die bekannten malerischen Abstraktionen und figürlichen Papierarbeiten. Gleichzeitig schafft sie mit der Ausstellung einen Ort, an dem alle Teile des Ganzen, wie die Mitglieder einer Familie an einem Tisch, zusammenkommen.

Location

Galerie Guido W. Baudach
Pohlstraße 67
10785 Berlin

Organizer

Galerie Guido W. Baudach
Berlin

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