“Unsere Gesellschaft braucht aber Räume, in denen gesprochen werden kann… Brave Spaces, in denen man mutig sein muss, um sich zu äußern. Wir wünschen uns, dass eine Fehlertoleranz entwickelt wird, die Nachfragen und Austarieren erlaubt, statt jeden jemals geäußerten Satz als in Stein gemeißelt zu betrachten.”
Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann
Der Zyklus der Nachrichten kommt nie zur Ruhe. Die Ereignisse reißen nicht ab, schreckliche Bilder und Videos überfluten unsere Feeds. Manche von uns sind über die sozialen Medien permanent mit Ungerechtigkeit, Leid, Angst und Verlust konfrontiert. Und wenn wir dabei bewusst bleiben, merken wir: Persönliche Narrative sind untrennbar mit groß angelegten Machtstrukturen verwoben; die Geschichte prägt die Gegenwart und lässt die Zukunft im Dunkeln. All das zu verarbeiten, ist überwältigend.
Doch darüber zu sprechen, ist oft herausfordernd. Wie können wir uns einem komplexen und emotional aufgeladenen Thema nähern? Wie schaffen wir Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und nebeneinander stehen können? Und wie gelingt es, Widersprüche auszuhalten und miteinander im Gespräch zu bleiben?“
Seit dem 7. Oktober 2023 ist der Diskurs über Israel und Palästina stark polarisiert. Positionen stehen sich oft unversöhnlich gegenüber, und es wird zunehmend schwieriger, miteinander im Gespräch zu bleiben. Shai Hoffmann und Jouanna Hassoun setzen genau hier an: Sie schaffen Räume für Dialog, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden, Komplexität ausgehalten wird und eine offene, demokratische Debattenkultur möglich bleibt.
Dabei handelt ihr Buch: „Trialog - Wie wir über Israel und Palästina sprechen“ auch von zwei sehr unterschiedlichen Biographien: Shai Hoffmann ist deutscher Jude mit israelischen Wurzeln, und Jouanna Hassoun ist Deutsch-Palästinenserin, deren Familie die Flüchtlingslager im Libanon durchlief, bevor sie sich in Deutschland niederließ. Gemeinsam beobachten sie, wie die Konflikte in Palästina und Israel Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus schüren. Inmitten der toxischen, von sozialen Medien getriebenen Auseinandersetzungen machen sie auf die Komplexität der Identitäten in der deutschen Gesellschaft aufmerksam. Sie sind ein Licht in diesem dunklen Tunnel, denn sie zeigen auf, wie wir im Gespräch bleiben – auch wenn es frustrierend und schmerzhaft wird.
An diesem Abend werden Jouanna und Shai Auszüge aus dem Buch lesen und von ihren persönlichen Erfahrungen berichten – vom ersten Schock des 7. Oktobers bis hin zu ihrer Arbeit in Schulen, wo sie jungen Menschen begegnen, die tiefe Wut und Angst ausdrücken. Sie sprechen davon, wie sich ihr Diskurs vom sogenannten „Safe Space“ hin zum Konzept des „Braver Space“ verschoben hat: Denn um ihre Arbeit voranzutreiben, benötigen sie ein Umfeld, das Fehler und schwierige Fragen zulässt, anstatt sie zu „canceln“. Ihr „Braver Space“ ist ein Raum, in dem Empathie grenzenlos ist und des Einen Schmerz den anderen nicht aufhebt. Wenn es gut läuft, entsteht ein vielschichtiger Raum, in dem widersprüchliche Narrative gleichzeitig nebeneinander existieren können. Und in dem diese gemeinsam ausgehalten und durchdrungen werden. Im „Braver Space“ wachsen wir an unseren Aufgaben.
Im Anschluss an die Lesung wird der Raum für eine Diskussion geöffnet, zwischen Jouanna, Shai und Ihnen, dem Publikum. Zweifel und Fragen sind hier willkommen; Wir versprechen keine einfachen Antworten oder magischen Lösungen, aber wir versprechen einen Raum gegenseitiger Würde.
Aus dem Schluss von Kapitel 5: Unser Trialog für Erwachsene:
Fragen an die Lesenden:
1. Was brauchst du, um ein Gespräch über Israel/Palästina führen zu können? Hast du einen Raum dafür?
2. Unter welchen Umständen kannst du das Gespräch nicht weiterführen? Und Warum?
Preisinformation:
10 €