FOTO: © UMS'nJIP
UMS'nJIP: KAFKA - Liederabend
Das sagt der/die Veranstalter:in:
Nach den Konzerten von „Woyzeck“ und „A Christmas Carol“ kommt das Schweizer Duo UMS’nJIP zurück ins Rabbit Hole Theater!
Diesmal zeigen Ulrike Mayer-Spohn und Javier Hagen ihre Electropop-Opera „Sancho“ (Cervantes) und den Liederabend „Kafka. Literatur trifft Komposition“. UMS’nJIPS Arbeiten sind am ehesten dem instrumentalen Theater und dem konzeptuellen Musiktheater zuzuordnen und spielen virtuos und nicht ohne Ironie mit Ästhetiken zwischen Experimentalmusik und Gesang, Video-Art und Electropop – ein unkonventionelles Taschenformat, das künstlerisches High-Tech-Labor und maximale Agilität vereinigt. Erlebt eine experimentelle, teils herausfordernde, dann wieder poppige musikalisch-literarische Reise in unverkennbarer UMS’nJIP-Charakteristik.
JIP ad kafka:
Meine erste Begegnung mit Kafka war – als Schullektüre – Die Verwandlung – die Reaktion: Verwirrung und Faszination zugleich. Später kamen die gesammelten Erzählungen dazu, und seitdem haben mich Kafkas Texte nicht mehr losgelassen. Wichtige Werke verschiedener Komponisten, deren Uraufführungen mir anvertraut wurden, setzten sich mit Kafka auseinander: Beat Gysins Marienglas etwa mit Das Schloss, oder Thorsten Töpps à rien mit Kafkas letztem Tagebucheintrag. Kafka ist im Übrigen auch der Autor, den ich als erstes vertont habe, und somit derjenige, der mich kompositorisch am längsten begleitet. Kafkas Präzision, Beobachtungsgabe, Differenzierung und Multiperspektivität setzen für mich Massstäbe, und von seiner merk- wie denkwürdigen Poesie lasse ich mich auch heute noch verzaubern.
So sind in diesem Zyklus sechs meiner Lieblingserzählungen zu einem durchkomponierten Werk zusammengefasst.
1. Zerstreutes Hinausschaun
2. Nachts
3. Ich bin zurückgekehrt
4. Wunsch, Indianer zu werden
5. Das nächste Dorf
6. aus: Der Hungerkünstler
Die Erzählungen sind bis auf die 3. Ich bin zurückgekehrt und 6. Der Hüngerkünstler, äusserst kurz, meist nur wenige Zeilen lang. Der Hungerkünstler ist textlich gestrafft. Bemerkenswert ist dessen Schluss; im Käfig, in welchem der Hungerkünstler vergessen verendet, wird später ein Panther eingesperrt. Dies als Verweis auf Rilkes Panther zu lesen ist naheliegend. Kafka kannte Rilkes Schaffen, zudem sind beide im deutschsprachigen Milieu Prags gross geworden. Und so rundet Rilkes Panther – leise geflüstert – als Epilog diesen Reigen an Kafka-Erzählungen ab.
Kafka ist über mehrere Jahre als Baukasten für Stimme, Blockflöte, Zuspielband (und wahlweise auch kleines Instrumentalensemble – Fl, Cl, Vle, Vc) bis auf abendfüllende Größe entstanden. Das Zuspielband ist konstant präsent und etabliert zugleich den Raum, in welchem Klangereignisse – live und ab Band – geschehen. Diese verhalten sich wie Objekte, deren Präsenz im Raum sich erst über die Zeit erschließen zu lassen scheinen. Diese Objekte sind leise, einzelne Klangcluster (für die Vertikale) oder Melodielinien (für die Horizontale), sich entwickelnd oder ins Leere verebbend – einer Versuchskonstellation gleichend, metaphorisch für die in den vertonten Texten ausgesprochenen, in der Regel vergeblichen Wünsche.
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