Was verbindet den ukrainischen Dichter und Dissidenten Vasyl Stus (1938-1985) mit dem bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker der Nachkriegszeit Paul Celan (1920-1970)? Beide gelten als Zeitgenossen, obwohl Stus 18 Jahre jünger als Celan war und um 15 Jahre ihn überlebt
hatte. Beide stammen aus den Gegenden der heutigen Ukraine. Beide wurden bereits als junge Menschen von totalitären Regimen verfolgt – Celan von den rumänischen Nazischergen, Stus von den sowjetischen Geheimdiensten. Beide waren in ihrem Leben sowie in ihrer Dichtung kompromisslos, beide versuchten neue Wege darin zu legen. Beide fanden einen frühen Tod, bevor sie das 50. Lebensjahr erreichten, und es war kein natürlicher Tod, sondern eine physische und psychische Nachwirkung ethnischer und politischer Verfolgungen. In Gedichten von beiden kommt mehrmals das Wort »Ukraine« vor, zwar in unterschiedlichen Kontexten. Das Wichtigste aber ist, dass der ukrainische Dichter Stus einer der ersten Entdecker und Übersetzer von Celans Gedichte ins Ukrainische war.
Noch zu Lebzeiten Celans las Vasyl Stus Ende der 1960er Jahre zum ersten Mal seine Gedichte in russischen Übersetzungen von Lev Ginsburg, die ihn tief beeindruckten, aber auch kritische Einwände bei ihm auslösten. Die Entscheidung, sie ins Ukrainische zu übersetzen, fasste er, nachdem er Celans »Todesfuge« gelesen hatte. Insgesamt übertrug Stus Anfang der 1970er Jahre 12 Gedichte Celans, die erst ein Vierteljahrhundert später, nach dem Tod beider Dichter, im Rahmen einer mehrbändigen Edition der Stusʼschen Werke veröffentlicht wurden.
Der Vortrag des ukrainischen Literaturwissenschaftlers und Übersetzers, Professor für fremdsprachige Literatur an der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz Petro Rychlo befasst sich mit dem historischen und biographischen Hintergrund dieser Übersetzungen und
analysiert sie eingehend durch das Prisma der übersetzerischen Tätigkeit von Vasyl Stus im Vergleich mit den deutschen Originalvorlagen.
Eine gemeinsame Veranstaltung von Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Karl-Arnold-Stiftung, Generalkonsulat der Ukraine in NRW, Stadtbüchereien Düsseldorf, Pilecki-Institut Berlin, Düsseldorfer Beiträge »Respekt und Mut«, Ridne Slowo e. V., Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Düsseldorf–Czernowitz e. V. sowie dem Studyon Institut für Sprache und Interkultur Düsseldorf und Lwiw kofinanziert durch die Europäische Union.
Im Rahmen der Ausstellung über Vasyl Stus sowie der Veranstaltungsreihe »Ukraine is here« erwartet die Besucherinnen und Besucher ein vielfältiges Begleitprogramm mit Konzerten, Performances und Lesungen. Neben dem Gerhart-Hauptmann-Haus werden auch weitere Kulturorte in Düsseldorf in das Programm eingebunden
Gemeinsam Events erleben
Events werden noch schöner wenn wir sie teilen! Deshalb kannst du dich jetzt mit Friends und anderen Usern vernetzen um Events gemeinsam zu besuchen. Loslegen