FOTO: © Gewebte Matte (mkeka) aus Lamu © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst / Martin Franken
Verflochtene Gedichte. Materialität oraler Literatur und heutige Verantwortung
Das sagt der/die Veranstalter:in:
In der rhythmischen Bewegung geschickter Hände offenbart sich ein altes Handwerk: Dekorierte und kalligraphierte Matten aus Lamu, einer Insel an der ostafrikanischen Swahili-Küste im heutigen Kenia, werden mikeka genannt.
In Dahlem verwahrt das Ethnologische Museum seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert eine Sammlung von zwölf mikeka vom Lamu-Archipel. Diese Matten sind besonders, nicht zuletzt, da in acht von ihnen Gedichte in Kiswahili in arabischer Schrift eingeflochten sind.
Die mikeka erzählen mehr als eine Geschichte: Sie sind Träger von Botschaften und zeugen von sozialen Beziehungen. Sie sind eng verflochten mit deutschen kolonialen Interessen und Präsenz im Lamu-Archipel sowie der Witu-Region auf dem gegenüberliegenden Festland im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Reproduktion der in den Sammlungen verwahrten Bwana Kisitavu-Matte verdeutlicht exemplarisch, wie die Matten Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben.
Die kalligraphierten Matten von der ostafrikanischen Swahili-Küste sind als Archive oraler Literatur Ausgangspunkt des Gesprächs von Philosophin Prof. Dr. Anne Eusterschulte (Freie Universität Berlin/EXC 2020) mit Forscher*innen der Gruppe Talking Mats über ästhetische Praktiken, soziale Funktionen „stofflicher“ Kommunikation und die Notwendigkeit, in einen inter-epistemischen Dialog zu treten.
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