Das sagt der/die Veranstalter:in:
Tanz
Choreografien von Tom Weinberger, Arianna Di Francesco und Imre & Marne van Opstal
mit wenig oder ohne Sprache
Identität, Männlichkeit, Menschlichkeit – drei Worte verbunden mit der Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind. Drei Perspektiven auf den Körper, auf die Erwartungen, die an ihn gestellt werden, auf Erfahrungen, die sich in ihm einschreiben. Und drei künstlerische Handschriften: Arianna Di Francesco, Tom Weinberger und das Geschwisterduo Imre & Marne van Opstal, Gewinner des Deutschen Theaterpreises DER FAUST 2024 im Fach Choreografie. Bereits 2022 konnte das Publikum in dem Trio »The little man« die Intensität ihrer choreografischen Sprache am NTM erleben. Die zwei Uraufführungen und spezielle Mannheimer Fassung berühren größere gesellschaftliche Fragen: Wie entsteht Identität? Was macht Gewalt mit einem Körper, der ihr ausgesetzt ist? Wie prägt Männlichkeit unser Denken? Arianna Di Francesco eröffnet den Abend mit »I AM THE ORANGE TREE IN MY HEAD« über die Freiheit, sich nicht festlegen zu müssen. Die Hauptfigur wehrt sich gegen den Druck, sich erklären zu müssen. Identität erscheint als etwas Fluides, als Schichten, die sich ablagern. Der Körper wird zum Ort der Authentizität, zum Gegenbild sprachlicher Etiketten.
Tom Weinbergers »POSTLUDE« lässt spüren, wie Krieg Körper verändert. Er sucht nach einer künstlerischen Antwort auf Gewalt – nach einem Raum, der Menschlichkeit ermöglicht, wenn Härte droht. Seine Choreografie verbindet Bewegung und Stimme, Zartheit und Sensibilität. Geschlechter spielen hier keine Rolle. Entscheidend ist, was es bedeutet, Mensch zu sein, während die Welt aus den Fugen gerät.
Imre & Marne van Opstal richten den Blick anschließend auf Männlichkeit – auf ihre Posen, ihre Brüche, ihre Sehnsucht. Zunächst in überzeichneten Bildern von Stärke, die sich dann auflösen, Verletzlichkeit zeigen – und das universelle Bedürfnis offenlegen, gesehen und anerkannt zu werden. Ein Echo des kindlichen Rufes: »MOMMY, LOOK!« 2023 wurde das Stück am Theater Basel mit 5 Tänzern uraufgeführt. In der Mannheimer Fassung tanzen fünf Männer und fünf Frauen, was der Choreografie eine neue Energie und Kraft verleiht.