FOTO: © Schreibwerkstatt Köln

WILD WILD WEST – Texte zum Westen

Das sagt der/die Veranstalter:in:

 

Es ist High Noon – und die Welt ist aus den Fugen geraten.

Gedrängt sitzen wir im Saloon und hören Texte zum Westen: als Renaissance und Kolonialverbrechen, als Transatlantikum, als Egozentrikum, als Hollywood und Cybermacht. Wir grölen, wir stampfen, wir spucken in unsere Näpfe. Aber zeigen dabei auch: Die Welt ist groß genug für uns alle.

Wir verwandeln das Limes in einen Saloon: Sechs Autor*innen lesen großartige Texte auf der Bühne – zwischen Stroh, Kakteen und einem Sonnenhologramm. Dazu gibt es stilechte Live-Old-Time-Country-Musik und Wasser, Whiskey & Bohneneintopf aufs Haus, solange der Vorrat reicht!


DAS PROGRAMM


Kamala Dubrovnik: »LASSO« (12 min)

Die staubige Seele der Straße küsst mir die Stiefel, der Boden hustet und die Wölkchen legen sich um meine dreckstarren Hosenbeine. Die meisten hielten mich für tot, dass mich ein typisches Frauenschicksal ereilt hätte – gekillt und geschändet vom Exfreund. Aber nein. Ich kehre als Heldin zurück, als Heldin mit dem seit zwei Jahren ungewaschenen BH. Mit einer halbgeladenen Knarre, und mit Satteltaschen voller Rachsucht. Komm, hol dein Lasso raus, wir spielen Cowboy und Inderin – ich gewinne.

Kamala Dubrovnik, Medienkünstlerin, Autorin, Großtante, hat einiges in petto: Theater, Film, Literatur, Performance und die Stimme eines mit Samt bezogenen Reibeisens. Geboren im westfälischen Olivenhain, aber zuhause in der gottverdammten Großstadt (Köln). Always tired af, sometimes crying, but she’s getting shit done – im Juli erscheint ihr erstes Album »Weltraumradio Satinfunk« zusammen mit Max Hurlebaus, und jetzt endlich, wirklich, wird sie ihr Scheißbuch schreiben. Schwöre! Motto und Buchtitel nach wie vor: »Kunst hat mein Leben zerstört«.


Justus Maria: »DER NAHE OSTEN« (12 min)

Zwei Studis, die sich mit Online-Erniedrigungen per KI-Videos ihre Miete verdienen, suchen in Japan einen verschollenen Intellektuellen, der den Untergang des Westens im nahen Osten prophezeite.

Justus Maria ist Autor und Psychologiestudent aus Köln. Er schreibt seit der Schulzeit und hat mehrere Texte in Magazinen veröffentlicht, v.a. bei den Literarischen Blättern. Sein Debütroman wird 2027 beim Luchterhand Literaturverlag erscheinen. Für diesen erhielt er das Arbeitsstipendium des Landes NRW 2026.

 

Barbara Thiel: »STUPID TOURIST« (12 min)

Zwischen Schauplätzen im Osten und Westen begegnen sich ein arbeitsloser Sherpa und eine junge Amerikanerin: der eine mit dem Ziel, in die Normalität zurückzukehren, die andere mit einer Sehnsucht nach bleibender Veränderung. Ein Text über Erdbebenfolgen, Vorurteile und Männer, die Cowboys spielen.

Barbara Thiel studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Inzwischen ist sie an den Rhein zurückgekehrt und hat in Köln ihren Master in Theorien und Praktiken professionellen Schreibens gemacht. 2023 belegte sie beim Kölner Förderpreis für junge Literatur 2023 den vierten Platz und erhielt den Wilhelm-Fabry-Förderpreis der Stadt Hilden. 2024 belegte sie den dritten Platz beim Stipendium zur Stadtschreiberin Hamburg. Ihre Texte sind in diversen Anthologien und Magazinen erschienen. Im Brotberuf arbeitet sie als Gartenhelferin und nebenbei daran, das Schreiben zum Hauptberuf zu machen. Sie lebt in Wachtberg und schreibt an ihrem ersten Roman.


Maria Babusch: »HACKER AUF ESTRADIOL« (12 min)

»Hacker auf Estradiol« (Sukultur, Herbst 2026) verwendet die Figur der transsexuellen Hackerin, um eine für den Westen entscheidende Frage zu bearbeiten: Was kommt, nachdem die Hoffnung auf technologischen Fortschritt, auf Fortschritt überhaupt, verloren geht? Die Rückkehr der Sehnsucht? Zwischen Spekulation und Recherche setzen wir uns in »Hacker auf Estradiol« in die Trümmer alter Kabelhaufen, hören SOPHIE und schauen auf den Mond.

Maria Babusch arbeitet als Autorin, Theatermacherin, Veranstalterin und Moderatorin. Sie studierte Kultur- & Literaturwissenschaft sowie Französisch in Dortmund und Bochum, inzwischen Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien. 2024 wurde sie zum Favoriten Festival 2024 eingeladen, 2025 gestaltete sie die Literarische Reihe »Hospitality Between Folds« für die Temporary Gallery. Ihre performativen Formate wurden zuletzt im Westfälischen Kunstverein und auf Kampnagel gezeigt, ihre Texte erschienen in Zeitschriften und online.
 

Leo Lemke: »MELASSE« (12 min)

Würzburg, 1699. Zwischen Hinrichtung und Stubenkonzert einen Kaffee im Zum Schönbrunnen trinken, die Tasse mit surinamischem Zucker süßen und beim Pfeifenstopfen in ein Plantagen-Startup investieren. Dabei galant aussehen. Sich höflich benehmen. Die richtigen Meinungen vertreten. Und wenn wer seine Perücke abnimmt und den kahl geschorenen Schädel entblößt, immer daran denken, was Descartes gesagt hat: Der Seelensitz der Körpermaschine liegt in der Zirbeldrüse.

Leo Lemke lebt und schreibt in Köln, wo er auch Germanistik und Medienkulturwissenschaften studierte. Heute arbeitet er – nach einem Folgestudium der Informatik in Aachen – als Software Engineer für Kunstinstallationen. Im April diesen Jahres erhielt er den 3. Berliner Preis für Science Fiction. Seine phantastischen Kurzgeschichten erscheinen in zahlreichen Magazinen (z. B. das Narr, mosaik, DANKE, Gym, absolut-zine) und ein historisch-phantastischer Roman ist aktuell in Arbeit. Er ist Teil des Moderationsteams der Lesereihe MIT ANDEREN WORTEN.


Paul Becker: »COWBOY DAN« (12 min)

Der Titelheld von »Cowboy Dan« trägt Hut, Stiefel, Gewehr, und in sich die Gewissheit, dass es genug ist, ein Cowboy zu sein in der weiten, weiten Prärie. Doch etwas ist verquer geraten im Gewebe seiner Welt, und notgedrungen bricht er auf, bei nächtlichen Lagerfeuern nach Antworten zu suchen.

Paul Becker, in Frechen geboren, hat mehrere Jahre in England verbracht und lebt und arbeitet nun als Übersetzer und Autor in Köln. In seinem Werk vermischen sich Einflüsse aus Kino, Comics und Musik zu einer giftigen Wundertüte.


Mit MUSIK von Rambling Boy Harrers

Rambling Boy Harrers ist ein Old-Time-Country Musiker aus Köln. Er versteht sich als Archiv für 100 bis 150 Jahre alte Traditionals, Cowboy- und Yodel-Songs. In seiner Radiosendung Drifting and Dreaming auf Kiosk Radio untersucht er die historischen und sozio-kulturellen Hintergründe dieser Musik.


DIE DETAILS

Einlass ist ab 19 Uhr. An der Tür begrüßen euch unsere »Saloonstammgäste«, die euch auf Wasser, Whiskey & Bohneneintopf (vegan) einladen. Ab 20 Uhr beginnt dann unser Programm. 

WILD WILD WEST ist eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Limes Müllem, dem netzwerk junge literatur e.V. und der Schreibwerkstatt Köln. Alle Spenden fließen als Gagen an die Künstler:innen.

Moderation & Organisation: Marie Foulis, Anna Celina Schneider, Lisa Hartmann
Team: Nathalie Thiel, Ben Eigl, Felix Konradi, Eva Niesen, Despoina Panteli

Meldet euch bei Fragen gern per E-Mail unter mariefoulis@icloud.com.

Barrierefreiheit: Das Limes Müllem ist über eine ca. 10 cm hohe Stufe erreichbar. Ein rollstuhlgerechtes WC gibt es leider nicht. Ohrstöpsel stehen bei Bedarf bereit. Das Barteam ist awarenessgeschult und jederzeit ansprechbar.

Location

Limes Köln
Limes Köln Mülheimer Freiheit 150 Köln

Organizer | Kollektiv

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