FOTO: © Manuel Vason
WORKSHOP:media sound performance mit Marco Donnarumma
Das sagt der/die Veranstalter:in:
Titel: Sensorische Neukonfiguration: undoing the “normal”
Referent: Künstler, Erfinder und Theoretiker Marco Donnarumma
Datum: 07. – 10. November 2026
Zeit: 07. & 08. November (Samstag + Sonntag) jeweils von 11 bis 17 Uhr
& 09. & 10. November (Montag + Dienstag) jeweils von 14 bis 20 Uhr
Ort: Un-Label Studio
Sprache: Englische Lautsprache (eine Peer-to-Peer Übersetzung in deutsche Lautsprache ist bei Bedarf möglich)
Inhalt
Wahrnehmung als Feld von Vielheiten – dieser Workshop erforscht mit Sensoren, Biosignalen und performativen Experimenten, was jenseits des „normalen“ Körpers als künstlerische Praxis möglich ist.
Die westliche Gesellschaft vermittelt die Vorstellung, dass es nur ein einziges Wahrnehmungssystem gibt – nämlich das des leistungsfähigen und produktiven Körpers. Tatsächlich jedoch existieren so viele Wahrnehmungsmöglichkeiten, wie es Körper gibt. Marco Donnarumma ist spätertaubt – und versteht das nicht als Verlust, sondern als eine andere, komplexe Form des Hörens. Sein Workshop beginnt genau hier. In diesem Sinne hat Hören nichts mit einem „normalen“ Hörvermögen zu tun, sondern findet in einem anderen sensorischen Kontext statt, in dem Fühlen, Sehen und Tiefensensibilität mit unterschiedlichen Intensitäten zusammenspielen. Wahrnehmung als ein Feld von Vielheiten zu denken, eröffnet unendliche Wege künstlerischer Praxis. Auf der Bühne spielen Technologien wie Sensoren, Robotik und Prothesen eine wichtige Rolle: Technologien können begrenzend wirken, indem sie einen Körper dazu zwingen, sich dem „Normalen“ anzupassen. Oder sie können fantasievoll, widersprüchlich und empowernd sein, indem sie das nutzen und feiern, was jenseits „normaler“ Wahrnehmung liegt.
In diesem Workshop werden wir „normale“ Wahrnehmung und die damit verbundenen Mythen hinterfragen, mit besonderem Augenmerk auf die Beziehung zwischen Klang und Körper. Anschließend werden wir unsere jeweils eigene, einzigartige (Klang-)Wahrnehmung beobachten und beschreiben, um sie in einer “Karte des Spürens” zusammenzuführen – einer Art Landkarte sensorischer Potenziale. Dies geschieht durch gemeinsames Nachdenken, durch performative klangliche Experimente mit unseren Körpern sowie durch das Ausprobieren einiger Körper basierter Technologien, die Marco im Laufe seiner künstlerischen Praxis entwickelt hat. Dazu gehören etwa biophysische Musikinstrumente, die Musik aus den Muskelklängen einer sich bewegenden Person erzeugen. Oder prothetische Organe, die über Fühlen, Vibration, Knochenleitung und akustische Resonanzen des Körpers eine vielfältige innere körperliche Erfahrung von Klang ermöglichen.
Im zweiten Teil des Workshops werden wir unsere Karte der Wahrnehmungsweisen nutzen, um zu erproben, wie Wissen, das in Körpern mit Behinderung eingeschrieben ist, in Kombination mit neuer Technologie innovative Ansätze in den performativen Künsten hervorbringen kann. Wir werden praktische Methoden kennenlernen, um Sensoren, Robotik und Prothesen zu entwerfen und handwerklich herzustellen, die Unterschiedlichkeit und Einzigartigkeit des Spürens erforscht und aktiviert. Auf Grundlage dieses Wissens und kleiner Prototypen erarbeiten wir dann experimentelle performative Formate (solo, im Duo oder in Gruppen). Darin wird Technologie zu einem Werkzeug, um das politische Potenzial und den ästhetischen Reichtum von behinderten Körpern zu erkunden und erfahrbar zu machen. Diese Experimente können am Ende des Workshops im Rahmen eines kleinen Showing präsentiert oder gemeinsam mit einem Publikum diskutiert werden – je nach Entscheidung der Teilnehmenden.
Der WORKSHOP findet in englischer Sprache statt (eine Peer-to-Peer Übersetzung in deutsche Lautsprache ist bei Bedarf möglich)
Für Deutsche Gebärdensprache bitte bis zum 22. Oktober 2026 anmelden.
Der WORKSHOP:media sound performance richtet sich an professionelle und semi-professionelle Künstler*innen und Kulturschaffende mit und ohne Behinderung. Die Teilnehmenden sollten etwas Erfahrung im Bereich Media, Sound oder Performance mitbringen. Das Format versteht sich besonders als Empowerment für Künstler*innen mit Behinderung, die bereits aktiv arbeiten und ihre künstlerische Praxis, berufliche Perspektiven oder Sichtbarkeit gezielt ausbauen wollen, oder Fragen zu Leadership in diesem Bereich haben.
Referent
Marco Donnarumma
Marco Donnarumma ist Künstler, Erfinder und Theoretiker. Sein Œuvre konfrontiert normative Körperpolitiken mit kompromisslosen Gegenerzählungen, in denen Körper in einem Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Selbstermächtigung, Präsenz und Abwesenheit, Anmut und Monstrosität stehen. Er arbeitet gleichermaßen als Klang- und Bildkünstler, Performer, Choreograf und Theatermacher und präsentiert seine Arbeiten auf Bühnen, in Konzerthäusern, Museen und Galerien. Bekannt ist er insbesondere für den Einsatz von Klang, KI, Biosensoren und Robotik, um den Körper zu einem Ort des Widerstands und der Transformation zu machen. Seine Werke wurden in siebenunddreißig Ländern in Asien, Europa sowie Nord- und Südamerika gezeigt. Er wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter vor allem die Ernennung zum „Artist of the Science Year 2018“ durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung, Award of Distinction in der Kategorie Sound Art beim Prix Ars Electronica 2017, ein Digitalive Award 2018 des Romaeuropa Festivals – gemeinsam mit Margherita Pevere – sowie ein ZER01NE Creator Grant im Jahr 2024. Für seinen Beitrag zum Themenfeld wurde Donnarumma von der österreichischen überregionalen Tageszeitung Der Standard als ein Pionier der performativen Künste mit fortgeschrittenen Technologien bezeichnet. Er schreibt über Musik, Performance und Technologie und verbindet dabei Ästhetik, feministische Studien und kritische Theorie mit wissenschaftlicher Forschung. Seine Texte erscheinen unter anderem in ACM Transactions on Human-Computer Interaction, Computer Music Journal, Frontiers in Computer Science, Performance Research sowie auf Kulturplattformen wie Hyperallergic und Furtherfield.
Barrierefreiheit
Alle Veranstaltungsräume sind barrierefrei. Assistenzhunde sind willkommen.
- Zugänglich für Rollstuhlnutzer*innen, ebenerdig (Türbreite: Eingangstür Studio 85 cm, Zwischen-Glastür Studio 105 cm)
- Barrierefreies Bad mit Dusche und Toilette inkl. eines Hebelifters für Rollstuhlnutzer*innen (Türbreite: 82 cm)
- Zugang zum Garten barrierefrei möglich durch Treppenlifter für Rollstuhlnutzer*innen (Türbreite Studio zum Lagerraum, wo der Lift steht: 77 cm, Türbreite Lagerraum in den Garten: 100 cm)
- Automatischer Türöffner an der Eingangstür
- 3 eigene Behindertenparkplätze vor der Tür
- 1 zusätzlicher Behindertenparkplatz der Stadt Köln um die Ecke
- ÖPNV: Die barrierefreie Haltestelle „Lenauplatz“ der Linie 5 ist in 100 Meter Entfernung
Bei Bedarf stellen wir folgende Assistenzen zur Verfügung, bitte unbedingt bei der Anmeldung angeben:
- Peer-to-Peer Übersetzung in deutsche Lautsprache
- Arbeitsassistenz bzw. Mobilitätsassistenz vor Ort
- Verdolmetschung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) – Bitte bis zum 22. Oktober 2026 anmelden
Weitere Informationen
Adresse: Un-Label Studio | Hosterstr. 1-5 | 50825 Köln-Neuehrenfeld
Die Haltestelle Lenauplatz (barrierefrei) der KVB Linie 5 (Dom / Hbf – Ossendorf) befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gebäudes Hosterstraße 1-5.
Abfahrtszeiten (KVB)
Für Fragen und weitere Informationen schreibt an: nikos@un-label.eu
Tel. +49 (221) – 5501544
info@un-label.eu
Preisinformation:
Regulär: 185€ (Regulär) Ermäßigt: 135€ (Schüler*innen, Studierende & Kolleg*innen) Solidarisch: 85€ (Inhaber*innen eines Schwerbehindertenausweises, Köln Pass, Bürgergeld Empfänger etc.)
Location
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