Wortbild & Buch. Literatur im Kontext der visuellen Kunst.
Zwei Bücher, zwei Synergien zwischen Literatur und visueller Kunst. Eine Lesung zum Langgedicht erosion von Olav Amende und Leon Skottniks Eigengrau. Kunst im Textraum.
In dem Langgedicht 'erosion' von Olav Amende (Leipzig) beschleunigt sich die tägliche Routine einer Stadt. Die Geschehnisse intensivieren und überlagern sich, dann gerät etwas ins Rutschen. zwischen / weißklee und feldklee und / steinklee tummelt sich / das summen der hummeln und / das summen der bienen / das summen der / da drückt eine ballenpresse ackergras / durch einen presskanal und verdichtet es / zu rundballen zu quaderballen zu / da schmeißen sie in der einfahrt eines / eigenheimes tassen teller untertassen / und die smartphones vibrieren / und die automaten funkeln / und sie löscht / löscht / löscht. In mehreren Anläufen zeichnet erosion gegenläufige Dynamiken unseres gesellschaftlichen Lebens auf. Alles ist miteinander verbunden, alles will akribisch festgehalten werden. Doch die Dinge verselbständigen sich, die Zeichen lösen sich. Dem Gedicht gegenübergestellt und mit ihm verwoben sind die Grafiken von Souxie Bibrach.
'Eigengrau. Kunst im Textraum' von Leon Skottnik (Köln) ist eine Sammlung von literarischen Texten, die zu verschiedenen Arbeiten der modernen und zeitgenössischen Kunst entstanden sind. Skulpturen, Installationen, Lichtkunst und Landart zeigen sich darin in einer eigenen Form. Dabei steht die Frage zentral, welche Möglichkeiten Literatur bietet, um Kunst neu erfahrbar zu machen. Bildende Kunst wird hier nicht angeschaut, sondern durch Sprache vermittelt und als mentale Bilder wahrgenommen. In den Lesenden entwickeln diese Bilder ein Eigenleben, eingebettet in Geschichten, die neue Impulse für ihre Wahrnehmung geben.
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