Die bunte Welt des Fusion Festivals 2018

Nach einem Jahr Pause sollte es für mich also doch noch ein drittes Mal in das Paralleluniversum Fusion gehen. In der ersten Runde nicht gewonnen, kam das Glück dann in der zweiten und so wurde kurzerhand alles an verrückten Glitzerklamotten eingepackt, die Fusionella von 2016 wieder rausgesucht und am Mittwoch früh ging es los. Die meisten meiner Freunde waren tatsächlich auch schon seit Dienstag da und hatten uns gottseidank einen Campingplatz freigehalten, denn als wir nach ganzen acht Stunden Fahrt endlich das heiß geliebte und vermisste Gelände betreten konnten, war es schon gut gefüllt - tausende und abertausende von Menschen, die staunen und schwitzen und versuchen sich zurecht zu finden auf dem riesigen Campinggelände. Da ich schon wusste, was mich auf dem Gelände ungefähr erwarten würde - ungefähr, da man auch beim dritten Mal immer noch etwas Neues entdeckt und das Jahr Pause auch einige kleine Überraschungen bereit hielt - konnte ich kaum in Ruhe mein Zelt aufbauen, bevor wir dann endlich loszogen.

Glitzernde Bäume, bunte Deko, riesige Netze, in denen Menschen lagen, gigantische Bühnen und Türme, Feuerdrachen und ähnliche große Figuren mitten auf dem Gelände, Musik von überall und vor allem jede Menge freundliche und glückliche Gesichter zu tanzenden Körpern - genau so hatte ich mir das Wiederkommen vorgestellt.

Abgesehen von all dem Wunderbaren, was man direkt oder im Laufe der Zeit entdecken konnte, gab es natürlich auch ein herzzerreißend großartiges Programm. Ein persönliches Highlight war der Contact Improvisations Workshop, mit dem ich direkt in den Donnerstagmorgen gestartet bin. Zusammen mit eigentlich Fremden wird getanzt, sich gehalten und vertraut - und plötzlich fühlt man sich irgendwie gar nicht mehr so fremd, beziehungsweise es ist einfach egal. Immer eine Erfahrung wert.

Das Rausgegangen Logo auf einer Pailletten-Glitzerwand

Ohne Pause wurde danach von Bühne zu Bühne, zum Zelt, zum Essen (♥) und von der Eröffnung der Turmbühne mit HVOB (was übrigens unglaublich genial war) zum kleinen Weidendom mit den geliebten Rikas gehüpft. Diese haben wieder einmal bewiesen, dass sie - obwohl sie leider nur ein kleines Publikum hatten - alle mitreißen und zum Tanzen bewegen können. Die Jungs sind einfach sympathisch.

Danach hat es uns zur Tankwüste, ehemalige Tanzwüste, gezogen, wo Niconé und Dirty Doering ein b2b hatten. Als dort dann auch noch ein wirklich guter Remix von Nirvanas “Smells like teen spirit” lief, ging mir wirklich das Herz auf!

Das konnte dann auch nur durch den parallel-laufenden Act auf der Seebühne gestört werden: Noga Erez, für mich eine Königin der Elektropopwelt. Neben mir ein offensichtlich großer Fan, der mich nur ansieht und sagt: “She’s angry.” Und damit hat er Recht. Noga Erez kommt aus Tel Aviv und wird als Stimme der jungen israelischen Generation angesehen - einer Generation, die nicht gehört wird und eigentlich nur in Frieden leben möchte. Ihre Musik ist wütend, irgendwie tanzbar, rebellisch - und ehrlich gesagt verdammt sexy.

Danach mussten wir dann wieder rennen, um zumindest noch die Zugabe von Von Wegen Lisbeth auf der neuen Palapa-Bühne mitzuerleben. Da hat sich das Jahr Pause doch tatsächlich gelohnt, denn die neue Bühne ist nicht nur ziemlich groß, sondern auch verdammt gut besucht worden. Hier fanden eine Menge guter Acts einen Platz!

Der von Highlights bestückte Donnerstag sollte sein Ende dann bei Acid Arab finden, die wieder einmal phänomenale Musik gespielt haben, jedoch in dem für sie viel zu kleinen Palast. Die Masse an Menschen ließ einem keinen Platz zum Tanzen und auch keine Luft zum Atmen. Ein leider ausschlaggebender Makel der Fusion - es wird von mal zu mal voller.

Aber lieber wieder zu positiven Dingen: Nachdem wir bei Acid Arab leider flüchten mussten, um nicht erdrückt zu werden, die Sonne schon langsam aufging, machten wir uns auf den Weg zum Zelt, nur um noch kurz von der extravaganten Feuershow an der Firestage in ihren Bann gezogen zu werden - 20 Minuten intensives Staunen, bis die Sonne wirklich am Himmel stand und wir konnten müde und zufrieden zum Zelt dackeln.

Der Freitag bestand den gesamten Vormittag daraus in der Sonne zu brutzeln und nichts weiter zutun, außer uns gelegentlich gegenseitig mit unserer Sprühregenpumpe mehr oder weniger kaltes Wasser auf den Bauch zu spritzen-übrigens ein Festivalutensil, welches ich ab jetzt als "Nie-wieder-ohne"-Utensil abgespeichert habe.

Am Nachmittag war das Gefühl etwas zu verpassen, welches sowieso gleichzeitig mit dem Gefühl viel zu viel zu machen, ein Dauerzustand auf der Fusion ist, jedoch so groß, dass es uns wieder auf's Gelände zog, wo wir dann kurzerhand die Qual der Wahl zwischen The Trouble Notes und Fil Bo Riva hatten. Treu geblieben sind wir dann den Trouble Notes, mit dem Wissen, dass wir es nicht bereuen würden. Und ja, es war wieder sehr, sehr gut und ja, wir standen in der ersten Reihe und ja, eventuell haben wir auch ein paar Fangirl-Schreie abgefeuert. Hat aber auch einfach Spaß gemacht! :)

Diese eine Stunde intensives Ausrasten hat unsere Beine dann wieder so zerstört, dass es direkt nochmal zum Zelt ging. An dem Abend folgte nämlich noch mein absolutes Programmhighlight - wobei ich vorher niemals erwartet hätte, dass es das sein würde. Nachdem bei Jaya the Cat auf dem roten Platz die Beine zum wiederholten Male warmgetanzt wurden, ging es wieder zur Palapa Bühne, um die beiden Mädels von SXTN anzufeuern! Auf der Bühne wurde rumgealbert, gerappt, gesungen, ins Mikrophon gerülpst, gekifft, getrunken und vor allem abgeliefert! So viel Spaß hatte ich lange nicht mehr auf einem Konzert - besonders genial war ein Mix von “Er will Sex”, wobei durch gesangliche “Nein heißt Nein” Einlagen nochmal klar gemacht wurde, dass SXTN eine starke Meinung zu Sexismus und männlichem Chauvinismus besitzen und dem Vorurteil, Frauen könnten nicht rappen ganz und gar nicht entsprechen.

Vor der Bühne wurde sich dann ausgezogen, gepogt und mitgesung- ...okay, mitgeschrien.

Und auch, wenn bei dem ganzen Pogen während der Zugabe jeglicher Staub aufgewirbelt wurde und man seine Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte, war ich danach so in Feierstimmung, wie sonst kein Mal während des gesamten Festivals. Respekt an die Mädels!

Nachts stand dann eigentlich noch ein Highlight an: Oliver Koletzki bei den Bachstelzen - ach nee: die Bühne heißt ja jetzt Panne Eichel. Was habt ihr euch dabei eigentlich gedacht, liebe Fusion-Organisatoren? Panne Eichel? Klingt wie Wanne Eickel - und wer will da denn hin? Für mich bleiben sie die Bachstelzen. Und so wie ich das mitbekommen habe, auch für alle anderen. Bei den Bachstelzen gab es dann auch leider das Problem der Menge - vielleicht hätte man den Oliver lieber an die Turmbühne gepackt, wo ein wenig mehr Platz gewesen wäre.

Also sind wir von da auch abgezischt, um einfach mal ohne Plan umher zu stromern. Dabei sind wir dann auch tatsächlich noch auf dem Trancefloor gelandet, der zwar auch gefüllt, aber nicht überfüllt war.

Das war es dann auch für die Nacht. Der nächste Tag würde noch anstrengend genug werden, also liefen wir fröstelnd wieder zu unserem Camping-Platz. Da es so kalt war, dass man den eigenen Atem sehen konnte, kuschelten wir uns auch nur noch ins Zelt.

Dann war auch schon Samstag und auch wenn man das Gefühl hatte, so viel gemacht zu haben und gelaufen zu sein, wie das gesamte Jahr noch nicht, war es komisch zu wissen, dass der nächste Tag schon irgendwie der letzte sein würde.

Ganz entspannt wurde dann mit dem DJ Pärchen Just Emma gestartet, die das Sonnendeck noch weiter zum Strahlen brachten und unsere Tanzbeinchen aufweckten.

Der restliche Tag verlief dann klassisch mit einer kleinen Bummelei an den unendlich vielen Ständen, die uns die Stimmung mit allerlei Festivalkleidung, Glitzer, Musik, Merch und weiterem versüßten. Dabei verliefen wir uns noch zu einer Spielefläche, wo selbstgebautes Riesen-Twister, Tischtennis und Minigolf nur darauf wartete genutzt zu werden. Menschen entspannten in den riesigen Chillnetzen in der Sonne oder im Schatten unter den bunt geschmückten Bäumen, tanzten im Sand oder standen beim Showertower, um sich eine Abkühlung zu holen.

Der Hunger wurde bei einer mit allem möglichen bestückten Kumpirkartoffel gestillt (nomnomnom) und so waren wir auch gestärkt um bei Bonaparte wieder auf der Palapa Bühne nochmals laut mitzugrölen und zu tanzen! Dann war es auch schon dunkel und wir quetschten uns durch die Menschenströme direkt in die erste Reihe, um wieder das Fangirl-Leben auszukosten und dem lieben José aka Kid Simius zuzurufen. Sehr übermüdet und verbraucht von den letzten Tagen haben wir danach noch kurz den Gang zum Trancefloor gewagt - die Idee zu tanzen aber nach einer halben Stunde wieder verworfen. Für uns ging es dann nur noch ins Bett.

Auch der letzte Tag war sehr entspannt - so entspannt, dass ich bei sehr guter, tanzbarer Psychedelic-Rock Musik von den Blackberries doch tatsächlich vor dem Weidendom eingeschlafen bin. Ich glaube, das ist der Fluch der Bands die am Sonntag spielen - da neigt sich die Festivalkraft doch dem Ende zu. Aber da es ja nicht nur Bands und DJs auf der Fusion gibt, sondern auch noch ganz viel anderes Wunderbares, sind wir noch bei einer Vollplaybacktheater Vorstellung gelandet, bei der eine Drei Fragezeichen Folge die Grundlage war, jedoch mit Ausschnitten von Breaking Bad und weiteren bekannten Serien und Filmen aufgepeppt wurde. Sehr, sehr witzig!

 

Als krönender Abschluss des Festivals und der Turmbühne sind wir als gesammelte Campgruppe (was so sonst kein Mal funktioniert hatte) zu Recondite und haben schön abgezappelt. Nach Recondite gab es noch einen kleinen Abstecher zu Hundreds und auf dem Weg zum Zeltplatz eine Privat-Campingplatz-Kreuzung-Psytrance-Party - wenn die Musik auf dem Gelände ausgeht, muss man sich eben selber zu helfen wissen.

Alles in allem war es wieder sehr viel, sehr geil, sehr abwechslungsreich, sehr intensiv und sehr witzig! Das LineUp war phänomenal, die Deko und Liebe ins Detail wie jedes mal ein Fest und auch wenn die Toilettensituation genauso schlimm war, wie die letzten Jahre, werde ich mich nächstes Jahr wieder bewerben und drauf hoffen und beten ein Ticket ergattern zu dürfen. Mit der Hoffnung, dass sie nicht noch mehr Leute auf's Gelände lassen.

Ich habe tatsächlich versucht mich hier kurz zu fassen, doch ich glaube bei der Fusion ist es nicht möglich alles in nur ein paar Worten zu beschreiben. Man muss es einfach gesehen haben.

Mit voller Vorfreude kann ich nun also auf's Melt! schauen, um da dann zum ersten Mal das Ferropolis Gelände erkunden zu dürfen ;) Ich werde berichten!

 

Fotos: Leah Blank, Rica Hellige