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Forum Neue Musik 2023 - In der deutschen Nachkriegszeit

Forum Neue Musik 2023 - In der deutschen Nachkriegszeit

Das sagt der/die Veranstalter:in:

In der Krisenwahrnehmung der Gegenwart strecken sich uns beredte Jahreszahlen deutscher Geschichte entgegen: 1923, 1933, 1943, 1953. Das diesjährige Forum befragt und kommentiert musikalische Zeugnisse aus jener Zeit. Was haben sie uns heute zu sagen?

Realitätsflucht, mangelnde Trauer, ja allgemeine Gefühlskälte konstatieren Zeitzeugen, die das Deutschland nach 1945 beschreiben. Die zweifellos traumatisierte Bevölkerung ist jetzt mit dem Weiterleben beschäftigt: mit Wiederaufbau, Wiedereingliederung der aus Krieg und Lagerhaft Heimkehrenden, mit Klärung oder Vertuschung des eigenen Tuns in Nationalsozialismus und Krieg. Viele Deutsche sehen sich selbst als Hauptopfer des Kriegs. 

 

Annäherung an eine verschlossene Zeit

Wir nähern uns dieser uns heute fernen, verschlossenen Zeit über ihre musikalischen Äußerungen. Das Forum 2023 besichtigt ernste und Unterhaltungsmusik, die vor, während und nach der NS-Diktatur in Deutschland entstand und deren Urheber eher Angepasste, innerlich Emigrierte, auch Mitläufer waren.

Was sagen ihre Musikwerke aus, was verschweigen sie? Und was an Unerledigtem spricht aus ihnen, wenn wir sie heute hören und re-politisieren?

Zum 15. Mal wird das Forum von der Kunststiftung NRW gefördert. Es wird als Radio-Festival produziert und in acht Sendungen ausgestrahlt: im Programm des Deutschlandfunks sowie Online. In unserem Kammermusiksaal heißen wir Sie zu zwei Live-Abenden herzlich willkommen!

Wir bieten zwei Konzerte im Radioforum an, bei denen Sie in Köln dabei sein können. So spiegeln Studierende der Musikhochschulen Hannover und Mannheim das Jahrzehnt ab 1923 in einem explosiven Liederprogramm. Die Frankfurter Oliver Augst und Marcel Daemgen dekonstruieren Filmschlager und Lieder der 1930er bis 1950er Jahre.

Und: Olaf Reitz und das Essener E-MEX Ensemble verbinden scheinbar wirklichkeitsferne Klavierwerke und Lieder mit Berichten aus einer höchst widersprüchlichen gesellschaftlichen Realität. Im Auftrag des Deutschlandfunks schreibt der israelisch-deutsche Komponist Eres Holz eine große Ensemblemusik, die verdrängte Kriegserfahrungen thematisiert.

Eintritt frei. Anmeldung: hier.

 

Radioforum

Die künstlerischen Projekte werden von musikjournalistischen Formaten flankiert. Zur Debatte stehen Komponisten von Hitlers „Gottbegnadeten-Liste“, Frauenfiguren in Opern der Nachkriegszeit, Anfänge kompositorischer Reflexion von Vernichtung und Trauma, musikpolitische Experimente in der Frühzeit der DDR. Eine Sendung gilt der Zusammenarbeit von Karlheinz Stockhausen und Recha Freier.

Frank Kämpfer

Ein Mann mit Hut steht in der Einöde einer Ruinenlandschaft.

Ruinen sind die Städte und die Beziehungen zwischen den Menschen. (Unsplash/ Library of Congress)

Einladung: Zwei Abende live im Kammermusiksaal

Konzert Donnerstag, 26.10.2023 / 19:30 Uhr / Deutschlandfunk Kammermusiksaal (Köln)
Auf der verzweifelten Suche nach Normalität 

Musikalisch-literarischer Abend mit Olaf Reitz, Amira Elmadfa, Martin von der Heydt, Eres Holz und dem E-MEX Ensemble
Leitung: Christoph Maria Wagner

Zur Anmeldung für den Konzertbesuch: hier.

Welche Gefühlslagen kursieren – angesichts der Ruinen, der Lager, angesichts Hitlers Ende und der Gegenwart der Besatzungsarmeen? Susanne Kerckhoffs „Berliner Briefe“ bringen das eindrucksvoll auf den Punkt. Verbunden mit Texten von Hannah Arendt, Inge Müller und Hans Magnus Enzensberger artikuliert sich deutsche Nachkriegswahrnehmung als bestürzend unabgegolten, ja aktuell. Auch scheinbar harmlose Kompositionen von Hermann Reutter, Boris Blacher und Ernst Hermann Meyer werden in solchem Zusammenhang plötzlich beredt. Der Abend mit Schauspieler Olaf Reitz, Mezzosopranistin Amira Elmadfa und dem E-MEX Ensemble mündet in die Uraufführung eines Ensemblewerks des israelisch-deutschen Komponisten Eres Holz, das verdrängte Kriegserfahrungen thematisiert.

Ausstrahlung am: 27.11.2023, 21:05 Uhr, Musik-Panorama 


Konzert Samstag, 28.10.2023, 19:30 Uhr / Deutschlandfunk Kammermusiksaal (Köln)
Davon_geht_die_Welt_nicht_unter

Lieder Schlager der Angepassten – neu interpretiert
Mit: Oliver Augst (Gesang), Marcel Daemogen (Elektronik), Sophie Agnel (Inside Piano), Jörg Fischer (Schlagzeug)

Zur Anmeldung für den Konzertbesuch: hier.

Seit 25 Jahren arbeiten Oliver Augst und Marcel Daemgen an ihrem Projekt „Archiv Deutschland“. Liedgut verschiedener Epochen und politisch-ästhetischer Sphären wird künstlerisch dekonstruiert und auf verschüttete Kernaussagen hin untersucht. In diesem Fall werden bekannte Lieder und Schlager der 1930er bis 1950er Jahre neu interpretiert und um Wirklichkeit, die sie beschweigen, ergänzt: Ein Programm zwischen neuer Musik, Pop und Improvisation: verstörend, dunkel, manchmal auch tanzbar.

Ausstrahlung am: 26.11.2023, 22:05 Uhr, Konzertdokument

Location

Deutschlandfunk – Kammermusiksaal Raderberggürtel 40 50968 Köln

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