"short notice": Janna, eine Deutsche, und Lucy, eine Französin, begegnen sich an einem Sonntagnachmittag im Leipziger Hauptbahnhof. Vor ihnen liegt nur eine Nacht, um durch die Stadt zu ziehen und sich vielleicht ein wenig näherzukommen. Denn am Morgen wird Lucy zurück nach Marseille reisen.
Zunächst tastend und von kulturellen Neckereien begleitet, schwanken ihre Gespräche zwischen Alltagsfloskeln und nervösem Smalltalk, während Janna Lucy durch die Stadt führt. Janna wirkt zurückhaltend, fast steif, während Lucy mit Leichtigkeit und spielerischem Charme versucht das Eis zu brechen. Im Fluss der Stadt – durch Parks und Leipzigs lebendige Straßen – wird die anfängliche Fremdheit langsam merklich von immer mehr Vertrautheit abgelöst. Bei Anbruch der Dunkelheit auf einem Klettergerüst, erinnern sie sich an ihre ursprüngliche Begegnung, ihren Sommerflirt in Frankreich – und nähern sich vorsichtig wieder an.
Die Nacht bringt ein wenig Wärme – und Spannung zwischen die beiden. Bei einem Konzert steigt diese Spannung immer weiter und entlädt sich endlich in einem Kuss. Der anschließende Mitternachtssnack in einem Hotdog-Laden ist nun geprägt von gelöster Leichtigkeit und mit Endorphinen gefüllt. Doch Lucys impulsiver Vorschlag, spontan nach Leipzig zu ziehen, wirft Janna aus der Bahn. Die gerade erst entstandene Nähe gerät ins Wanken – Unsicherheiten und Ängste brechen auf und die Stimmung kippt. Jannas anschließende Versöhnungsbemühungen beim darauffolgenden "Wegbier" werden zum Anlass für ein ehrliches Gespräch über die Erfahrungen mit der Liebe, über das, was man aus prägenden Beziehungen mitnimmt – und über das, was man lieber vergessen möchte, Verluste, Ängste und Hoffnungen. Die geteilte Verletzlichkeit bringt Tiefe – und Vertrauen.
Mit der (wieder) gewonnener Vertrautheit bricht nun der Morgen an und Leipzigs letzter Stopp – die Sachsenbrücke – wird zum Schauplatz der Realisierung der nun fast unreal anmutenden vergangenen Stunden. Eine Spannung liegt zwischen beiden, eine gemeinsame Erinnerung, die sich zwischen die Sätze schiebt. Am menschentraubenverhangenen Hauptbahnhof muss die Verabschiedung gelingen, bei dem eine eventuelle Aussicht auf ein Wiedersehen im Raum steht. Der erst kontrolliert gemeisterte Abschied, wird dann doch durch ein vergessenes Handy mit einem hektischen Sprint ans Gleis abgelöst – und sorgt für einen weiteren Kuss, geführt von allem, was unausgesprochen blieb. Janna bleibt zurück – mit einem Grinsen im Gesicht, als Lucys Zug langsam aus Leipzig hinausfährt.
Leipzig wird in dieser einen Nacht zur dritten Hauptfigur: eine Stadt zwischen trubeligen Straßen, nächtlicher Leere und versteckten Schauplätzen, zwischen Distanz, Nähe, Wiedersehen und Aufbruch – ein Spiegel der wachsenden Vertrautheit zwischen Janna und Lucy. Es war nicht das erste Abschiednehmen. Und vielleicht auch nicht das letzte... (Gendry, DE FR 2024 – 36min)
"Kabine": Fritz ist einer der talentiertesten Jugendfußballer seines bekannten Lokalvereins. Wer sich hier ins Rampenlicht spielt, landet sicher auf den Zetteln zahlreicher Bundesligascouts – so auch Fritz. Doch echte Freude kommt nicht auf. Die Homophobie und der ständige Sexismus im Fußballkosmos setzen ihm schon lange zu. Und während die Luft in der Kabine immer stickiger vom Testosteron wird, ist Fritz kurz vor dem Erreichen seines Ziels bereit, alles hinzuschmeißen.… (Mertins, DE 2025 - 20min)
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