Nijinsky

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John Neumeiers Ballett „Nijinsky“ bietet ein eindrucksvolles choreografisches Porträt des legendären Tänzers Vaslav Nijinsky. Das Stück verbindet realistische Szenen mit traumhaften Erinnerungen und historischen Momenten, um einen Einblick in das komplexe Innenleben des Künstlers zu geben. So entsteht ein vielschichtiges Bild von Nijinskys außergewöhnlichem Talent ebenso wie von seinem Kampf mit psychischer Krankheit. Die Handlung beginnt mit Nijinskys letztem öffentlichen Auftritt 1919 im Suvretta House in St. Moritz, der als „Hochzeit mit Gott“ betitelt war. Danach entfaltet sich die Choreografie als innere Reise durch Gedanken, Rückblicke und Visionen, in denen Nijinskys Vergangenheit und seine innere Welt verschmelzen. Figuren seiner berühmten Rollen wie Harlekin, Goldener Sklave und Geist der Rose treten ebenso auf wie familiäre Bezugspersonen: seine Schwester Bronislawa, sein Bruder Stanislaw und die Eltern. Die Erinnerungen an seine revolutionären Ballette spiegeln sein künstlerisches Ringen wider, während Romola de Pulszky, seine spätere Frau, Konflikte und Wendepunkte in seinem Leben verkörpert. Das Ballett zeigt außerdem die Schattenseiten seines Daseins: Den mentale Verfall, seine Visionen, die Ängste und den Einfluss des Ersten Weltkriegs. Familie, Karriere und private Krise vermischen sich zu einem intensiven Bild, in dem Nijinsky nicht sich selbst als geisteskrank wahrnimmt, sondern die Welt um ihn als zerrüttet. John Neumeier, einer der führenden Choreografen der Gegenwart, hat sich immer wieder von Nijinskys Person inspirieren lassen, zuletzt 2000 mit diesem abendfüllenden Werk, das damals vom Hamburg Ballett uraufgeführt wurde. Es ist eine Biografie der Seele – eine Collage aus Erinnerungen, Emotionen und Kunst – die Nijinsky als Künstler und Mensch in all seinen Facetten beleuchtet. Musikalisch bleibt Neumeier nahe an den historischen Kontexten und Nijinskys Welt. Neben kleinen kammermusikalischen Passagen dominiert im ersten Teil Nikolai Rimskij-Korsakows „Scheherazade“, dessen Klangfarbe eng mit Nijinskys künstlerischer Umgebung verbunden ist. So schafft das Stück eine atmosphärische Verbindung von Tanz, Musik und Erinnerung.

Location

Wiener Staatsoper
Wiener Staatsoper Opernring 2 1010 Wien

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