Filmgespräch mit Regisseur Igor Hauzenberger (digital zugeschaltet) und Sigrid Zweygart-Pérez (Beauftragte für Flucht, Migration und Integration der Evangelischen Landeskirche in Baden | Seelsorgerin im Ankunftszentrum in Heidelberg)
D/A/CH 2024 | Regie: Igor Gerald Hauzenberger, Gabriela Schild | 103 Min. | FSK 12 | Dokumentarfilm
Sattrot glüht der historische Stadtkern von Agadez im Sonnenuntergang. Schon jahrhundertelang überdauert seine Lehmarchitektur inmitten eines geopolitischen Brennpunkts, der trotz der Anwesenheit gut finanzierter außerafrikanischer Institutionen nicht zur Ruhe kommen darf. Nicht nur die
Nigriner:innen stellen sich also Fragen: Was machen Amerika und Europa hier eigentlich? Seit die EU ihren Fokus zur Migrationsprävention auf das so genannte „Tor in die Wüste“ gelegt hat, verläuft eine virtuelle Grenze durch den Norden Nigers. Mit ihr versiegte die Haupteinnahmequelle der heimischen Tuareg, der Waren- und Personentransport durch die Sahara. Dafür griffen Arbeits- und Perspektivlosigkeit um sich – ein fruchtbarer Boden für Radikalisierung und Kriminalität.
In ausbalancierter Montage von privaten Gesprächen, Persönlichem und einer größer gefassten Perspektive auf regional- und weltpolitische Zusammenhänge spüren Gerald Igor Hauzenberger und Gabriela Schild der komplexen Geschichte und Gegenwart Agadez’ nach. Über mehrere Jahre hinweg haben sie zugehört, Fragen gestellt, Vertrauens- und Beziehungsarbeit vor Ort geleistet. So treten Nähe, Staunen und Übersicht in einen nuancierten filmischen Dialog. Entlang der Bruchstellen eines vielleicht historischen westafrikanischen Paradigmenwechsels. Entlang einer Grenze, die keine ist.
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