FOTO: © Jascha Sommer

Reihe zur zeitgenössischen Vortragskunst | Um(j)etnost predavanja | The art of the lecture

Theater Lecture Performance

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Reihe zur zeitgenössischen Vortragskunst | Um(j)etnost predavanja | The art of the lecture

Mit der »Reihe zur zeitgenössischen Vortragskunst« laden wir im Oktober und November 2021 acht junge Positionen aus dem deutschsprachigen und ex-jugoslawischen Raum nach Köln ein. In Essay-Performances, Choreografien des Denkens und Kartenlese-Praktiken bietet die Vortragskunst alternative und spekulative Perspektiven auf bekannte und unbekannte Gebiete des Wissens und durchquert das Dark Net, den Kunstmarkt, Heilpraktiken oder die Lehre der Sophisten.Die in der Reihe präsentierten Arbeiten beziehen sich formal durchaus auf die ›Tradition‹ der Lecture-Performance, ob sie das Format, das sich in den Nullerjahren zum populären Genre entwickelt hat, fortführen oder herausfordern, bleibt offen. Sie machen sich Strategien des Hackens oder der Trickserei zu eigen und stiften vielfältige diskursive Verhältnisse. Die so verstandene Vortragskunst bietet etwas an, das wir eher als Ko-Kreation des Wissens als seine Produktion verstehen.
In diesem Sinne möchten wir den schillernden Titel der Reihe in seiner Mehrdeutigkeit ausspielen – Vortragskunst meint sowohl die Kunst des Vortragens, den Vortrag als Kunstform, den kunstvollen Vortrag als auch die vorgetragene Kunst. Die Reihe wird kuratiert von Helen Brecht, Nina Gojić, Jascha Sommer und Zrinka Užbinec. 

 Der Eintritt erfolgt auf Spendenbasis. Die Registrierung erfolgt vor Ort. Bitte kommt getestet, geimpft oder genesen. Detaillierte Informationen unter vkunst.eu.

detaillierte Information (english version below) 

25. November
19.00 Dunja Crnjanski & Frosina Dimovska: Taking Time (ENG)

Das »Taking Time Project« ist das künstlerisch-wissenschaftliche Forschungsprojekt von Dunja Crnjanski und Frosina Dimovska. Die serbischen Künstlerinnen setzen sich in ihrem prozessorientierten Projekt mit Arbeitsbedingungen, Zeitregimen und der Autorschaft von Künstler*innen auseinander. In partizipatorischen Performance-Formaten teilen sie das »Taking Time« Glossar* mit dem Publikum und laden es ein, das Glossar weiterzuschreiben. In der Glossar-Arbeit entstehen Begegnungen von flüchtiger Konstellation und Dauer. Die Arbeit entstand aus dem Bedürfnis heraus, Situationen und Begriffe schriftlich zu fixieren, die uns erlauben, uns als Individuen und Gemeinschaften im Verhältnis zu Zeit- und Raumstrukturen und Produktionsverhältnissen zu setzen. 


*inspiriert durch den »Speculative Glossary«, veröffentlicht in Maska: the Performing Arts Journal

Dunja Crnjanski und Frosina Dimovska leben und arbeiten in Novi Sad, Serbien. In ihrer künstlerische und aktivistische Arbeit schaffen sie selbstorganisierte Räume für autodidaktisches Arbeiten in der Tanz- und Performance-Szene in Novi Sad. Sie sind Teil des Pokretnica Kollektivs und Mitbegründerinnen der Plattform Practicable – platform for contemporary art and culture. Sie sind Ko-Kuratorinnen und Ko-Organisatorinnen des Pokretnica festival of contemporary dance and performance, und Teil der Per.Art Organisation, die die Arbeit von Künstler*innen mit und ohne geistige Beeinträchtigung fördert. 

 

21.00 Krian Kumer: Epistolary Ancestries (ENG)
»Epistolary Ancestries« (2016-2021) erprobt eine künstlerische Form der Ahnenforschung, die durch das Schreiben von Notizen, Essays und Briefen entwickelt und reflektiert wird. Vom Tanz, von einer Vielzahl von Notizen (Wörter, Tänzen, Bilder, Lieder) ausgehend, entwirft sie essayistische Konstellationen und artikuliert sich in Form von Briefen an bereits Verstorbene. In den daraus entstandenen neun Essays denkt Kiran Kumār Tanz im Verhältnis zu vielfältigen Kontexten: künstlerische (Re-)Formierung, kulturelle Identifikation, feministische Moderne, Fabulation & Historiografie, Strategien der Dekolonisation, und kritischer Szientismus. Für die Vortragskunst arrangiert Kiran Kumār Exzerpte aus der Serie der Brief-Essays. Er nähert sich seiner eigenen Forschung aus einer nach innen gewandten Perspektive, veräußert in Worten, Klängen, Bildern und Tänz. 

 

Kiraṇ Kumār arbeitet international als Künstler, Wissenschaftler und Autor. In seiner Arbeit erforscht er das Verstehen des Körper-Geist-Komplexes durch eine künstlerische Praxis, die sich der Mittel des Tanzes, der Wissenschaft und des Spi/Rituellen bedient. Von der somatischen Praxis des Haṭha-Yoga und des traditionellen indischen Tempeltanzes ausgehend, entwickelt Kumār eine kritische, konzeptionelle und künstlerische Untersuchung der vormodernen indischen Kosmologien. Kumār studierte Maschinenbau an der National University of Singapore, darauf folgten das Studium der Medienkunst an der City University of Hong Kong und Tanz am HZT Berlin. Derzeit ist Kumār Stipendiat der Akademie für Theater und Digitalität. 

26. November

11.00    The Best Symposium (DEU/ ENG)

(Akteur*innen werden noch bekannt gegeben) 

Im besten Symposium kommen wir zusammen, um auszuwerten, was sich der Auswertbarkeit entzieht. Welche Wissensgegenstände und Wissenspraktiken haben sich formiert, was bleibt und kann weitergegeben werden? Sechs Akteur*innen haben die Vortragskunst begleitet, Notizen gemacht und präsentieren ihre Aufzeichnungen in Grafiken, Texten, Raumordnungen und Performances. Zudem haben wir zwei Gäste eingeladen, die mit uns zusammen über die Reihe und ihre eigene Vortragspraxis diskutieren. Wir laden alle Interessierten an den runden Tisch im Kunsthafen, in Person oder digital.

Anmeldungen per Mail über: mail@vkunst.eu

 

15.00     Najbolja/ The Best (ENG)
»Wo seht ihr euch in fünf Jahren von heute aus gerechnet?« »Gemeinsam performend am 26. November im Kunsthafen in Köln.« »Aber das ist in sechs Jahren von heute aus gerechnet.« »Fast sieben.« Im Überspringen der Grenzen von Zeit, Raumes und Wahrnehmung eilt »The Best« der Zukunft entgegen gleich einem immersiven Medienerlebnis auf multiplen Plattformen, das von einem Server mit 64-Kern-Prozessor betrieben wird, der eine hyperrealistische virtuelle 4D-Umgebung erzeugt. Kurzum, dass Google Eure E-Mails liest, ist eine Form der Kollektivität.

 

Sie wurde mehrfach geboren, vorzugsweise in Vukovar, Zagreb, Zagreb und Zagreb. Sie zeigte sich in Zagreb, Zagreb, online, in Skopje und dann wieder in Zagreb. Diesen Sommer kam Sie dorthin zurück, wo Sie begonnen hatte. Sie hatte sich eine Auszeit genommen, um reich zu werden, aber jetzt ist Sie zurück. Manch eine sagt, man kann Sie beim Wandern in den Bergen von Samobor antreffen. Sie ist eine prekäre Arbeiterin. 

 

 

Eine Veranstaltungsreihe von Brecht & Sommer in Koproduktion mit den Art Initiatives Cologne, dem Institut für Theaterwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und der Mobilen Akademie Cheers for Fears. Gefördert von der Kunststiftung NRW, dem NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, dem Kulturamt der Stadt Köln sowie dem NRW Kultursekretariat. 

Bei allen Veranstaltungen gilt die 3 G Regel(genesen,getestet,geimpft). Bitte zeigt unaufgefordert euren Nachweis beim Betreten vor. Wir freuen uns auf Euch! Ahoi

ENGLISH MAIN TEXT

 

Reihe zur zeitgenössischen Vortragskunst | Um(j)etnost predavanja | The art of the lecture

October & November 2021 in Cologne, Germany 

 

»The art of the lecture« invites eight performances from the German-speaking and exYu region to Cologne in October and November 2021. In essay performances, choreographies of thoughts and card-reading practices the series provides alternative and speculative perspectives on known and unknown fields such as healing, the art market, the dark net or the lectures of the sophists.

 

The works presented in this context are informed by the ›tradition‹ of lecture-performance that arose in the noughties, but whether they develop or challenge the format remains

an open question. They employ strategies of partisanship and trickstery, and initiate a dialogue with themselves, their artistic materials, their compositional form, and their audiences. The art of the lecture is interested in what we call knowledge co-creation, rather than knowledge production.

 

We would like to think of the title of the series in multiple ways: the art of the lecture could be the art of lecturing, the lecture as an art form, the artistic lecture or the lectured art. The series on contemporary lecture art is curated by Helen Brecht, Nina Gojić, Jascha Sommer and Zrinka Užbinec.

 

Admission on a donation basis. Registration will be on site. Please come tested, vaccinated, or recovered. Detailed information under vkunst.eu.

 

 

19.00 Dunja Crnjanski & Frosina Dimovska: Taking Time (ENG)

The Taking Time project is a work in constant becoming, in which Dunja Crnjanski and Frosina Dimovska are dealing with questions of work conditions, authorship and time, creating participatory performances in elusive formats. The Taking Time Glossary* that they will share with the audience was created from the necessity to recognize and define situations and notions through and with which we navigate as individuals and as a society, in relation to time, ways, and concepts of production, as well as daily challenges.

*inspired by the work Speculative Glossary, published in Maska: the Performing Arts Journal

Dunja Crnjanski and Frosina Dimovska are artists from Novi Sad, Serbia. They are members of Pokretnica collective and co-founders of the organization Practicable – platform for contemporary art and culture, working in self-organization and self-education in the field of contemporary dance and performing arts in Novi Sad. They are co-curators and co-organizers of Pokretnica festival of contemporary dance and performance (since 2017) and members of Per.Art organization, which promotes the work of artists with and without intellectual disability.

 

21.00 Krian Kumer: Epistolary Ancestries (ENG)                    

 

»Epistolary Ancestries« (2016-2021) is an inquiry into a personal filiation of practice, reflected through a corpus of expanded writings that intersects three textual forms: the note, the critical essay and the letter. Drawing from an embodied practice of dance, a plurality of notes (words, dances, images, songs) drift into an essayistic constellation, in turn framed as an open letter to an already dead person. This presentation is a collage of excerpts from the corpus of nine epistolary essays that progressively reframe dance in relation to various contexts: artistic reconstruction, national-cultural identification, feminist modernity, fabulation & historiography, decolonial strategies and critical scientism. Through a perspective of looking-at-from-within, this presentation will describe Epistolary Ancestries, in its own words, sounds, images, and dances.

 

Kiraṇ Kumār is an interdisciplinary artist, researcher and writer. His work focuses on unpacking understandings of the human body-mind through a trifold practice of dance as art, science and spi/ritual, and on proposals for change that these understandings hold for our world today. Rooted primarily in his somatic practices of Haṭha yoga and traditional Indic temple dancing, his research unfolds through critical, conceptual and artistic inquiries into premodern Indic cosmologies. Following initial study in mechanical engineering at National University of Singapore (2006), he holds an MFA in new media art from City University of Hong Kong (2012) and an MA in dance from Inter-University Centre for Dance Berlin (2014). Recent research fellowships include among others the Academy for Theatre and Digitality.

 

11.00 The Best Symposium (DEU/ ENG)

(Guests will be announced soon) 

 

In the Best Symposium we come together to evaluate what eludes evaluability. Which subjects and practices of knowledge have formed during the event-series, what remains and can be passed on? Six note-takers have accompanied the lecture art and present their notes in graphics, texts, spatial arrangements, performances. We have also invited two guests who will discuss with us about the heart lectures and their own lecturing practice. We invite everyone interested to join us at the round table in the Kunsthafen, in person or digitally. Registration via: mail@vkunst.eu

 

15.00 Najbolja/ The Best (ENG)

 

»Where do you see yourself five years from now?« »Performing together on the 26th of November at the Kunsthafen in Cologne.« »But that is six years from now.« »Almost seven.« Zooming past the barriers of time, space and smell, she rushes to the future, much like an immersive multi-platform media experience running off a 64-core processor-powered server generating a hyperrealistic 4D virtual environment world. After all, Google reading your e-mails is a form of collectivity. 

 

She was born many times, notably in Vukovar, Zagreb, Zagreb and Zagreb. She toured in Zagreb, Zagreb, online, once in Skopje and again Zagreb. This summer she toured back to where she started. She took some time off to get rich, but now she is Back. Some say she can be found hiking in the Samobor hills. She is a precarious worker.

 

An event-series by Brecht & Sommer in co-production with Art Initiatives Cologne, the Institute for Theatre Studies at the Ruhr University Bochum and the Mobile Academy Cheers for Fears. Supported by Kunststiftung NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, Kulturamt der Stadt Köln and NRW Kultursekretariat.

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