Das sagt der/die Veranstalter:in:

Ein vergessener Keller. Staub im Licht. Leere Archivboxen. Was bleibt, wenn Geschichte ausgelöscht wurde? Die Theaterperformance verwandelt Bühne und Zuschauerraum in ein scheinbar verlassenes Museum: weiße Sockel, verstreute Papiere, bedeckt von Staub. Das Publikum tritt ein, eingeladen zu schauen – doch die Ausstellung ist vor allem eins - leer. Und dann treten doch Objekte ins Scheinwerferlicht, Objekte die Geschichten zwischen Nepal und Deutschland erzählen.
Getragen von trans Performer:innen werden sie zu Zeugnissen einer Geschichte, die nie ganz verschwunden ist. Mit minimalem Bühnenbild und wenig gesprochener Sprache entfaltet sich ein vielschichtiger Abend aus Bewegung, Blicken und Körpern. Tanz, Drag und Performance verweben Fragmente von Erinnerung, Gewalt und Selbstermächtigung. Zwischen Leere und Überforderung, zwischen Schmerz und Glitzer entstehen Bilder, die irritieren, berühren und herausfordern.
Wie greifen wir nach einer Geschichte, die nicht in Archivboxen bewahrt wird? Und was tragen wir längst in uns, aus unserer Geschichte, in unseren Bewegungen und Stimmen? Die Performance lädt dazu ein, sich berühren zu lassen – von dem, was fehlt, und dem, was bleibt.
Regie: Alma Roggenbuck, Asshika Magar, Maksim Fabri & Shuby Bhattarai

Hintergrund: Was bleibt von einer Geschichte, die nie archiviert wurde? “The night was kind to us” begreift Performance als lebendiges Archiv und bringt trans und nicht-binäre Perspektiven zwischen Nepal und Deutschland auf die Bühne. Ausgangspunkt ist die Leerstelle institutioneller Archive: Viele trans Geschichten wurden verdrängt, verfälscht oder nie gesammelt – und existieren doch weiter, in Körpern, Erinnerungen und Objekten. Im Zentrum des Projekts steht ein kollaborativer Probenprozess im WUK Theater in Halle. Gemeinsam mit 6–8 lokalen trans und nicht-binären Performer:innen entwickelt das Archiv-Performance-Kollektiv bridging into our vaults (biov) eine ortsspezifische Adaption ihrer Arbeit. Biografien, Alltagsgegenstände und Recherchen zu trans Geschichte werden dabei zum Ausgangspunkt einer vielstimmigen künstlerischen Auseinandersetzung. “The night was kind to us” ist die zweite Produktion von biov und schließt konzeptionell an die 2025 in Kathmandu entstandene Performance “It wasn’t just Stonewall” an. Ein zentrales Element der Arbeit ist der Umgang mit Objekten. Gesammelte und geliehene Gegenstände aus trans Communities in Nepal und Deutschland stehen im Mittelpunkt der Inszenierung. Sie fungieren nicht als illustrative Requisiten, sondern als eigenständige Träger von Erinnerung. Durch die Performer_innen beginnen diese Objekte zu „sprechen“ und eröffnen Zugänge zu Geschichten, die in klassischen Archiven nicht auffindbar sind. Die Performance verbindet Theater, Tanz, Drag und dokumentarische Elemente. Sprache erscheint nur in Fragmenten: auf Nepali, Englisch, und Deutsch treten Interviewzitate so mit Bewegung, Mimik und Objekten nebeneinander und öffnen einen Interpretationsraum, der über den Platz marginalisierter Geschichte nachdenke lässt. Was macht es mit einer Community, keine Geschichte haben zu dürfen und lediglich als Symbol des Neuen, des zu Neuen, im öffentlichen Diskurs aufzutreten? Im Echo dieser “lauten Stille” entfaltet sich eine vielschichtige Inszenierung als künstlerischer Gegenentwurf: Wie können wir unsere Geschichten selbstbestimmt erzählen, und lügen, wo wir wollen?

Das deutsch-nepalesische Austauschprojekt wird gefördert vom Fonds Soziokultur e.V. und dem Internationalen Ko-Produktionsfonds des Goethe-Instituts München. Die Premiere findet am 04.06. im WuK-Theater in Halle (Saale) statt. Nach den Aufführungen in Leipzig reist das Stück dann nach Nepal, um dort ebenfalls aufgeführt zu werden.
 

Preisinformation:

07 EUR = Kein Kohle Ticket 10 EUR = Normalpreis 12 EUR = Förderticket, Finanzierung fürs "Kein Kohle" - Ticket

Location

Ost-Passage Theater
Ost-Passage Theater Konradstr. 27 04315 Leipzig

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