FOTO: © Luisa Catucci Gallery

VERHANDLUNGSMASSE

Ausstellung Kunst Wochenendtipp

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Luisa Catucci Gallery 

Ort: Allerstraße 38, 12049 Berlin 

Künstlerinnen: Maike Freess 

Art der Kunst: Zeichnung, Raumzeichnung, Skulptur.

Termine: 13. Oktober -  26. November 2022 

Vernissage: 13. Oktober, 18-19 Uhr

 

Maike Freess hat immer wieder bewiesen, dass sie zweifelsohne eine Meisterin der Zeichnung ist. Ihre virtuose Zeichentechnik ist nicht nur reich an einer unerschöpflichen Quelle der Fantasie, sondern verbreitet eine angeborene, fast brutale Magnetkraft, die den Betrachter unfehlbar in ihr Universum katapultiert. 

Maike Freess schafft dramatische Volumina, indem sie die Intensität ihrer feinen weißen Linien auf schwarzem Papier mit messerscharfen weißen Schnitten und kontrollierten Farbverläufen bricht. Sie gibt dem Papier grenzenlose Möglichkeiten und erhebt es von einem armen Material zu einem Verstärker von Emotionen, einem magischen Ort, an dem ihre dekonstruierte Realität lebendig wird.

In ihrem Zeichenprozess verwandeln sich die Motive, als würde etwas Verborgenes und Verdrängtes zum Vorschein kommen, etwas heimlich Erwünschtes, das Fiktion und Realität vermengt. Maike Freess' Hand führt den Bleistift methodisch und klar, aber in den letzten Jahren spricht ihre Zeichnung immer abstrakter. Sie arbeitet an der Grenze zum Surrealismus, denn ihre Arbeiten erwecken den Eindruck, dass sie von einer Art poetischer Vision erzeugt werden. Das liegt daran, dass sich hinter ihren Figuren eine tiefe psychologische Arbeit verbirgt, wie ein Riss im Unterbewusstsein, in dem Erinnerung und Bewusstsein, Subjektives und Universelles ineinander übergehen. 

In ihrer neuesten Werkserie stellt Maike Freess den Körper mit seiner unvollkommenen, begrenzten und instabilen Natur und seine Beziehung zur Psyche in den Mittelpunkt ihrer Forschung. Schon die alten Römer sagten: "Mens Sana In Corpore Sano", um die unzerstörbare Verbindung zwischen der mechanischen Hülle des Menschen, dem Körper, und seiner flüssigen, transzendenten Ausdehnung, dem Geist, zu beschreiben. Die unvermeidliche Unvollkommenheit des Körpers weicht der Psyche in all ihren Aspekten, den spirituellen, humoralen und intellektuellen, genauso wie die Neigungen der Psyche den Körper beeinflussen. Der uralte Uroboro des menschlichen Zustands. In ihrer Arbeit konzentriert sich Maike Freess durch die Defragmentierung der Körperformen auf die Geburt der neuen Realität, die sie als eine Art künstliche Memoiren definiert, die aus der unvermeidlichen Verbindung zwischen diesem neu geformten "Corpore" und dem guten alten trickreichen "Mens" entstehen.

Die Schnitte in ihrer Arbeit stehen für den befleckten Verstand, die bewussten oder unbewussten Lücken im Gedächtnis und in der Psyche, die jenseits der Rationalität Unbehagen, Verleugnung und Miss-/Nichtverstehen erzeugen. In der Ausstellung überschreiten diese Wunden die begrenzten Grenzen des Kunstwerks/der Person/des Körpers und breiten sich über die Wände und den Boden aus, um ihre unerwartete und desorientierende Wirkung auch auf die Umgebung und die anderen zu unterstreichen, auch wenn dies nicht in der Absicht des Künstlers liegt. Darüber hinaus ist jedes Individuum sozialen und politischen Prozessen ausgesetzt, die auch psychologische Auswirkungen haben und zur Formung und Verformung des Körpers beitragen, der von der Künstlerin als Ort historischer Einschreibungen betrachtet wird. Maike Freess denkt tiefgründig über existenzielle Dilemmata nach und fragt sich, was einen Menschen zu einem Menschen macht, wie er sich als Mensch fühlt und wie der Einfluss des Geistes, der persönlichen Geschichte, der Umgebung und des politischen Wettbewerbs Gefühle und Handlungen bestimmen. Was wird aus der Menschlichkeit, wenn sie objektiviert und zum Verhandlungsobjekt wird? Eine Frage der Verhandlung. 

Maike Freess inszeniert ihre Ausstellung so, dass alle Medien ineinandergreifen, den Raum mit einbeziehen und den Besucher nicht nur visuell beschäftigen, sondern ihn mit seinem ganzen Körper in das Werk hineinziehen. Auch der virtuose Umgang mit den Zeichenwerkzeugen und die schier unerschöpfliche Vorstellungskraft, die in jedem einzelnen Blatt neue Formen, Motive und Metaphern findet und heraufbeschwört, haben eine solche Kraft, dass es nicht der ästhetische Genuss ist, der einen dazu bringt, sich weiter mit ihren Arbeiten zu beschäftigen. Maike Freess visualisiert die "Papierausschnitte" oder "Schnitte", wie sie die von ihr erfundenen Papiercollagen nennt. Mit konstruktivistischer Strenge geschnitten, in ihrer zackigen Linienführung jedoch eher eine expressionistische Kunstform, durchziehen und durchkreuzen sie unseren Blick auf das Bild. Man könnte an die Experimente der Kubisten und Futuristen denken, die die Dinge auseinander nahmen, um sie gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Maike Freess wurde 1965 in Leipzig, Deutschland, geboren. Sie studierte von 1980-1985 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Deutschland. Von 1986-1990 studierte sie bei Prof. Inge Götze an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle/Saale, Deutschland, und erwarb dort 1990 ihren Master-Abschluss. Außerdem studierte sie von 1991-1992 an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts Paris im Multimedia-Atelier Christian Boltanski und unterrichtete 1997 an der Ecole des Beaux-Arts in Le Mans, Frankreich. Derzeit lebt und arbeitet Maike Freess in Berlin und Paris.

Location

Luisa Catucci Gallery
Allerstraße 38
12049 Berlin

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