Chinas weltpolitische Bedeutung wächst. Unter Xi Jinping ist die Volksrepublik außenpolitisch selbstbewusster geworden: Die enge Partnerschaft mit Russland, Drohgebärden gegenüber Taiwan, die globale Infrastrukturoffensive – all das folgt einer Logik jenseits bloß taktischer Interessen. Handelt es sich um eine revanchistische Wende? Oder um eine rationale Großmachtstrategie, auf die Europa noch keine überzeugende Antwort gefunden hat? Der Politikwissenschaftler Wu Guoguang kennt den chinesischen Machtapparat genau. Als Reformpolitiker der 1980er-Jahre erlebte er das Ende von Pekings Öffnungsversprechen. Heute forscht er an der Stanford University – und macht deutlich: Wer Chinas Außenpolitik verstehen will, muss in die Innenpolitik blicken. Daniel Leese („Maos langer Schatten") befragt ihn nach Chinas Ambitionen – und danach, welche Fehler Europa im Umgang mit Peking begeht. Übers.: Shi Ming
chinesisch | deutsch