Anlässlich der Präsentation des Buches Leak. The Other Side of the Pipeline (Hrsg. von Philipp Goll, adocs Hamburg 2026) untersuchen die Teilnehmenden die Gaspipelines, die sich von Sibirien bis nach Westeuropa erstrecken. Basierend auf dem Forschungsprojekt Leak. The End of the Pipeline von Philipp Goll, Oleksiy Radynski und Hito Steyerl befasst sich die Veranstaltung mit den ökologischen Auswirkungen des russischen Kolonialismus und den interimperialen Gaspipeline-Deals zwischen (West-)Deutschland und (Sowjet-)Russland seit den 1970er Jahren. Diskutiert werden zudem die Situation indigener Völker in russisch besetzten Gebieten sowie antikolonialer Aktivismus in Nord-Eurasien vor dem Hintergrund des andauernden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
Hito Steyerl ist Filmemacherin und Autorin in Berlin. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit Medien, Technologie und der globalen Zirkulation von Bildern und umfasst Videoinstallationen, digitale Umgebungen und schriftliche Arbeiten. Sie ist Professorin für Emergent Digital Media an der Akademie der Bildenden Künste München und leitet gemeinsam mit Francis Hunger die dortige Forschungsplattform.
Philipp Goll arbeitet freischaffend künstlerisch forschend und verbindet Formen der Wissensproduktion in Theorie, Film und Tanz. Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine liegt Philipps Forschungsschwerpunkt auf die Geschichte des deutsch-russischen Gashandels, Petro-Aggression und Aktivismus gegen Extraktivismus. Zu Philipps jüngeren Publikationen zählt Western Dissidenz (Spector 2025) über literarischen Aktivismus in der westdeutschen Populärkultur seit 1968.
Oleksiy Radynski ist Filmemacher und Autor in Kyjiw. Seine Filme wurden unter anderem auf der Berlinale, dem International Film Festival Rotterdam und den Kurzfilmtagen Oberhausen gezeigt, wo er für seinen Film Chornobyl 22 den Grand Prix erhielt. Seine Texte wurden unter anderem im e-flux journal, in The Atlantic und in taz – die tageszeitung veröffentlicht. Seit 2008 ist er am Visual Culture Research Center in Kyjiw beteiligt. Zudem ist Radynski Mitbegründer des Filmemacherkollektivs Kinotron Group.
Tjan Zaotschnaja ist sowjetische Dissidentin und Menschenrechtsaktivistin. Seit den 1980er-Jahren setzt sie sich für die Rechte indigener Gemeinschaften ein, die (im Kontext der Sowjetunion und Russlands) unterdrückt werden. Nach ihrer Ausweisung durch die sowjetischen Behörden zog sie nach München. Seitdem informiert sie über die Auswirkungen der Rohstoffförderung auf indigene Lebensweisen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Deutschland und Europa bis zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu den wichtigsten Abnehmern von russischem Öl, Gas und Kohle gehörten. Sie ist Mitglied der Münchner Gruppe der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sowie des International Committee of Indigenous Peoples of Russia (ICPR).
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