FOTO: © Porträt von Madina Tlostanova © 42nd World Congress of the International Institute of Sociology (IIS).

'Sterben fußlose Vögel im Flug? Oder Entwurzelung als produktiver Zustand' mit Madina Tlostanova

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Im 20. Jahrhundert griffen viele Autor*innen und Künstler*innen auf die Metapher des Vogels zurück, der nicht landen kann und dazu verdammt ist, ewig im Flug zu bleiben. Meist wurde dieses Motiv als Ausdruck von Nonkonformität gegenüber gesellschaftlichen Normen sowie als existenzielle Entfremdung verwendet – weniger jedoch im Sinne der realen Erfahrungen von Vertreibung und Verdrängung, die aus geopolitischen Konflikten, ethnischen Säuberungen, neokolonialen Kriegen und durch das Anthropozän bedingten Migrationen resultieren und im gegenwärtigen Jahrhundert zunehmend zu einer alltäglichen Realität werden. Der rastlose Vogel nimmt hier die Gestalt des realen Exilanten an, der vor Krieg oder Klimakatastrophen flieht, besonders unter den Bedingungen der Semi-Peripherie im sogenannten „Mittelosteuropa“. Diese wachsende transversale Gemeinschaft rastloser Vögel ist ein entscheidender Akteur in der Gestaltung einer Zukunft, die bereits anbricht; ihr Schicksal sollte nicht nur als Tragödie der Nicht-Zugehörigkeit, sondern auch als Gabe der Anpassung, Relationalität und der Unstetigkeit als generative Bedingung verstanden werden.

Im Anschluss findet ein Q&A statt, moderiert von Vasyl Cherepanyn (Kyiv Biennial).

Madina Tlostanova ist dekoloniale feministische Denkerin, Autorin von fiktionalen Texten und Professorin für Gender Studies an der Universität Linköping in Schweden. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen epistemische und ästhetische Dimensionen der Dekolonialität, die postsowjetische Lebensrealität, Literatur und Kunst sowie kritische Zukunftsfragen und Interventionen in Prozesse von Komplexität, Krise und Wandel. Zu ihren jüngeren Büchern zählen A New Political Imagination, Making the Case (gemeinsam mit Tony Fry, Routledge, 2020), Decoloniality of Knowledge, Being and Sensing (Tselinny Center of Contemporary Culture, Kasachstan, 2020) sowie Narratives of Unsettlement. Being Out-of-Joint as a Generative Human Condition (Routledge, 2023). Derzeit arbeitet sie an der Monografie Not by Leviathan Alone. An Exercise in Post-Nation-State Worlding.

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Location

KW Institute for Contemporary Art Auguststraße 69 10117 Berlin
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