Die Geschichte eines Neuankömmlings – Rausgegangen zieht um!

Einem Schmetterling gleich entschwebten wir unserem Kokon… naja wir sind sozusagen aus allen Nähten geplatzt. Es wurde schlichtweg zu kuschelig in der Maastrichter Straße – Ellenbogenkontakt ist bei unseren Konzert-Empfehlungen bestimmt eine nette Sache, aber bei der Arbeit stört es dann auf Dauer doch irgendwann. Ein neues, schmuckes, vor allem aber geräumigeres Büro musste her. Und wir wurden fündig – ab jetzt gehen wir in Ehrenfeld unserem Tagewerk nach und versorgen dich von dort aus mit täglichen Schmankerln aus der Kölner Event- und Kreativszene.

Dies aber ist die Geschichte des Umzugs, bei dem wohl kaum eine Träne des Abschieds, wohl aber das ein oder andere Bier floss. Ich bin positiv überrascht, dass genug Erinnerungen zurückgeblieben sind, als dass ich den Abend jetzt Revue passieren lassen kann. Zu allem Überfluss (Wortspiel beabsichtigt) war dies mein erster offizieller Arbeitstag bei Rausgegangen. Verzeih mir also meine Subjektivität…

Halloween stand vor der Tür – ein Festtag, dem ich als Kölner dank von Geburt an eingebläuter Karnevals-Denke irgendwie keine wirkliche Relevanz abgewinnen kann. Aber doppelt gemoppelt hält bekanntlich besser. Das Team traf sich an diesem denkwürdigen Tag nachmittags in den alten Büroräumen im belgischen Viertel. Besonders viel zu tun gab es hier allerdings nicht mehr. Die meiste Zeit stand ich irgendwo dümmlich grinsend im Weg herum und bemühte mich um einen möglichst akkuraten ersten Eindruck.

Bloß ein paar Bildschirme, Stühle und eine Wagenladung übrig gebliebener Plastikbecher vom letzten Zusammen Leuchten Festival waren in den Umzugswagen zu hieven. Ab dafür! Indes versuchte ich mir angestrengt all die neuen Namen zu merken, wohl in dem Wissen, dass dies sowieso aussichtslos war.

Die große Mehrheit des Teams hatte das neue Rausgegangen-HQ bisher nur auf Fotos gesehen, weswegen wir nicht schlecht staunten, als wir zum ersten Mal in dieser für meine Maßstäbe kathedralenartigen Lagerhalle standen. Das Ganze wirkte wie eine Mischung aus Amazon-Versandhalle und, der gläsernen Front geschuldet, innenstädtischem Gewächshaus.

Die erste naheliegende Frage war: Wohin mit dem ganzen Kram? Denn mit so viel Handlungsspielraum waren dann doch alle in den ersten drei, vier Momenten kollektiv überfordert. Tische ziellos umherschieben, Umzugskartons von der einen Ecke in die andere und wieder zurücktragen, sich gegenseitig ratlos ansehen. Irgendwann stand alles zumindest so weit, dass der Anordnung beinahe Absicht unterstellt werden konnte. Langsam löste sich auch meine Anspannung – die waren alle erstaunlich locker und aus irgendeinem abstrusen Grund fühlte ich mich schon als Teil des Ganzen.

Harte Arbeit will belohnt werden. Als wichtigstes Mitbringsel aus den alten Büros stellte sich in diesem Moment das Fässchen Kölsch heraus. Pizza war auch schnell geordert – so lässt sich arbeiten.

Die nächsten Stunden ordne ich diplomatisch irgendwo in einer Grauzone zwischen verschwommen und definitiv erinnerungswürdig ein. Das Fässchen hatte natürlich schnell ein Loch, der Nachschub-Kasten stieß auf liebevolle Willkommensrufe; wo die ominösen Flaschen der Kategorie XX% herkamen, weiß allerdings keiner. Kurzum: Die Crew wurde immer fröhlicher. Eine provisorische Bartheke inklusive Musikanlage hatten wir, ganz beseelt von erfinderischem Start-up-Geist, schnell und stilsicher zusammengeschustert, sodass wir unsere Euphorie auch mit dem passenden Soundtrack unterlegen konnten.

Der viele Platz, der zu Anfangs noch überfordert hatte, eröffnete uns jetzt ungeahnte Möglichkeiten – im Ernst: Wer kann schon von sich behaupten an seinem ersten Tag IM Büro Flunkyball gespielt zu haben? Ich jetzt schon. Ach ja, dann waren da noch die unzähligen rollbaren Bürostühle der Designermarke „Gratis-Aber-Siehst-Du-Auch“. Obwohl aller Wahrscheinlichkeit nach ohne große olympische Zukunft, erwies sich Bürostuhl-Curling schnell als ziemlich knifflige Angelegenheit. Kanadische Curling-Profis hätten sich im Nachfolgenden sicherlich zutiefst in ihrer Ehre angegriffen gefühlt. Dabei gilt es allerhand zu beachten: Das Rollvermögen des Spiel-Mobiliars, die angewandte Schubkraft und nicht zuletzt die Windschnittigkeit des Teammitgliedes, das als Curling-Pilot auf dem Curl-Stein / Stuhl Platz nahm.

Der Abend entwickelte sich im Einklang mit der allgemeinen Stimmung in rasantem Tempo und so dauerte es nicht allzu lange, bis wir in allerfeinster Klischeemanier im Kreis „Angels“ von Robbie Williams grölten. Zusammengefasst: als wir uns schließlich auf in Richtung Stadtgarten machten, um doch noch ein Stück halloweener Party mitzunehmen, waren wir alle angenehm angeheitert.

Witali und Marc waren bereits etwas früher losgestiefelt, da wir an diesem Abend erstmals live unsere eigene Ticketing-Lösung für die Party im Stadtgarten an den Mann gebracht. Nach einem kurzen Fußweg, frei nach dem Motto: „Es sind drei Tagesmärsche bis ins Elbentall“, fanden wir uns im Stadtgarten wieder, der zum Zeitpunkt unseres Eintreffens (irgendwann zwischen spät und sehr spät) schon so voll war, dass wir uns in das Büro in Maastricher Straße zurückversetzt fühlten. Spaß hatten wir trotzdem jede Menge.

Am nächsten Morgen fand ich glücklicherweise meinen Arbeitsvertrag in leicht ramponiertem Zustand in meiner Jackentasche. Rausgehen macht mir jetzt schon Laune.

Vielen Dank an Ehrenfeld für die herzliche Begrüßung und an das Land NRW für den dringend benötigten Feiertag.