Woman – Das Gefühl stimmt

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Wir sitzen bei Kaffee in gemütlichen Vintage-Sesseln im Salon Schmitz. Uns Gegenüber: Carlos, Manu und Milan von Woman. Direkt unter uns: Der Club Coco Schmitz, Womans Entstehungsort sowie erste Konzert-Location. Denn genau hier spielte die Band – damals noch ohne Namen und zu viert – vor etwa fünf Jahren ein erstes Set – und den Leuten gefiel’s.
Dann aber erstmal Funkstille. Der Perfektionismus war Schuld, wie Drummer Milan erklärt: „Wir haben in einer anderen Besetzung angefangen und hatten in dieser bereits ein komplettes Album fertig. Das haben wir dann aber weggeworfen, das war etwa 2014. Unsere Reaktion darauf war, Carlos in die Band zu holen.“
Ab da wurde an der EP „Fever“ gearbeitet, die aber auch erst im Frühjahr 2016 erschien. „Irgendwann haben wir dann gedacht, dass es keinen Sinn macht, Dinge bis zu 110% auszufertigen, ohne dass das jemand zu hören bekommt. Es macht viel mehr Sinn, in der Öffentlichkeit daran zu wachsen, was man mehr draus machen kann, weiterzukommen. Unsere Freunde haben uns irgendwann extrem genervt. Druck tut uns einfach gut.“, reflektiert Sänger Carlos.

Ihr Debüt-Album „Happy Freedom“, das am 12. Mai erscheint, stellten Woman jedoch innerhalb von 2,5 Monaten fertig. Ein großer Kontrast zum Perfektionismus-Trichter, weswegen das Trio auch mal drei Monate an nur einem Song schreiben konnte. Wie sie da rausgekommen sind? „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier,“ philosophiert Carlos. „Wir mussten einfach unseren Habitus schiften, dahingehend, dass wir Dinge fertigmachen. Wir sind mit 40 Skizzen nach Wien gefahren, teilweise waren das nur ganz kleine Loops, nichts war fertig. Wir hatten 2,5 Monate Zeit und wir haben uns da wieder bewiesen.“

Ohne Genre-Schublade

Was Woman machen? Pop. Und was ist Pop? Populäre Musik, die keinen anderen Anspruch hat, als Menschen zu unterhalten und auch kommerziell auswertebar ist. Und eine Message transportiert, so Carlos. Denn Woman wollen Menschen wieder zum Denken auffordern, wenn sie Musik hören, und dabei die Ambition des Publikums nicht unterschätzen. Ein spezifischeres Genre will das Trio (noch) nicht definieren. Müssen sie auch nicht – die Platte ist so vielschichtig wie die Bandgeschichte derer Erzeuger. All die Einflüsse, die das Kölner Trio in ihren Sound reinbrachte, könnte man auch nicht in eine Nische packen. Das wäre ja auch langweilig, erklärt Carlos: „Dann macht man es ganz klein und packt seine eigene Musik in eine Box und macht die Schublade zu.“ Das wolle man aber nicht und konzentriere sich lieber darauf, eine Interaktion mit dem Publikum zu schaffen. „Wir wollen keine Nischen-Musik machen. Jeder ist dazu eingeladen, unsere Musik zu hören, sich eine eigene Meinung zu bilden und wenn das Pop ist, dann ist das eben so“, meint Manu. Und wenn jemand meint, das sei für ihn Psychelectro, Peace Pop, oder sonst was, dann soll er glücklich sein mit dem Begriff.

Vermischen und Neues schaffen

Mit „Happy Freedom“ entdecken Woman allerlei kosmische Welten, die auch gerne mal miteinander kontrastieren. So besingt das Trio dystopische Traumstädte („Marvelous City“) und den City-Dschungel („Concrete Jungle“), aber auch gesellschaftsprägende Missstände („Khung Bo“, was auf vietnamesisch Terror bedeutet). All diese Themen prägten die Bandmitglieder während der Albumaufnahmen, als sie für eine längere Zeitspanne ohne ihr gewohntes Umfeld von Freunden und Familie in Wien konsequent an der Platte arbeiteten. Auch soundtechnisch geht es in allerlei Richtungen: Mit viel Electro-Elementen, groovigem Funk, jedoch auch mal einem Song, der bis auf ein sich aufbauendes Ende ausschließlich auf Klavierakkorden und Carlos’ Stimme beruht („2072“), wollen Woman ein kleines Gesellschaftsporträt zeichnen, was sie persönlich, aber auch die ganze Welt bewegt. Diese ist aufgeschnitten auf dem von der Künstlerin Simone Cihlar gestalteten Albumcover abgebildet, anstelle des Erdkerns sieht man jedoch eine Discokugel. Carlos erzählt: „Simone hat einen recht ähnlichen künstlerischer Ansatz, wie wir Musik machen: Sie vermischt Dinge, die eigentlich nicht zusammengehören.“ Für das Cover hatten sie sich bereits entschieden, noch bevor sie irgendeine musikalische Richtung eingeschlagen haben. „Aber das war – wie beim Bandnamen, wie beim Musikmachen – immer so ein erster Impuls. Da muss das Gefühl einfach stimmen und dann machen wir was draus.“
Und wie das Gefühl stimmt! Der Sound kommt nicht nur bei Bekannten gut an und hat sich schon längst über die Grenzen von Womans Heimatstadt Köln ausgebreitet. Hier fühlt sich das Trio wohl und bleibt auch. Carlos, der vor dem Indie-Projekt viel Techno betrieben hat, schwärmt von den breit aufgestellten Locations, der relativ großen Off-Szene und dem euphorischen Kölner Publikum: „Alleine in der Bier-Auswahl des Kölners zeigt sich das ja schon. Lieber viele Biere und ein langer Abend, als ein Bier und direkt besoffen. Quantität, nicht Qualität. Vielleicht ist das mit Musik auch so. Die haben einfach Spaß.“ Nach Berlin ziehen? Keine Notwendigkeit, in Köln ist ja alles da. Manu: “Wir sind jedoch keine Lokalpatrioten!“ Carlos:“Das hast du jetzt gesagt.“
Wer Woman live erleben will, kann das beim nächsten Cardinal Sessions Festival am 20. Mai im Gebäude 9 tun!