Cordones Industriales | Tarea Urgente (Chile)

In the organizer's words:
Das dokumentarische Theaterstück „Cordones Industriales“ schlägt eine Brücke zur transformativen Kraft der Selbstorganisation. Ausgehend von den historischen Erfahrungen der Unidad Popular in Chile erzählt die Inszenierung von gelebtem Widerstand und politischer Emanzipation.
Im Mittelpunkt stehen fünf Reinigungskräfte – Arbeiterinnen, die unter prekären Bedingungen und ohne gewerkschaftliche Unterstützung tätig sind. Durch ihre Stimmen wird die Bewegung der Cordones Industriales lebendig, die zwischen 1972 und 1973 Tausende von Menschen in Chile vereinte und einen Wendepunkt in der politischen Geschichte des Landes markierte.
Das Fundament der Inszenierung bildet eine umfassende historische Recherche des Kollektivs Tarea Urgente. Das Team nutzt Interviews mit Zeitzeug*innen, private Fotografien und Dokumente der chilenischen Nationalbibliothek, um persönliche Erzählungen mit historischer Analyse zu verknüpfen.
Unter der Leitung von Valeria Yáñez wird dokumentarisches Theater zur politischen Praxis. Seit über 13 Jahren arbeitet das Kollektiv an der Schnittstelle von Kunst, Geschichte und Aktivismus. Dabei kooperieren sie sowohl mit bedeutenden Erinnerungsorten – wie dem Estadio Nacional, dem Museum der Erinnerung und Menschenrechte oder der Villa Grimaldi – als auch mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen. Während des sozialen Aufstands (Estallido Social) im Jahr 2019 war Tarea Urgente mit Performances in territorialen Versammlungen und auf der Straße präsent.
Nun lädt das Stück erstmals das Berliner Publikum dazu ein, über Organisationsstrategien nachzudenken, die angesichts des weltweiten Rechtsrucks eine neue Dringlichkeit erfahren.
Im Jahr 1970 wurde Salvador Allende zum weltweit ersten demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten. Dies löste massive Gegenwehr der USA aus; US-Präsident Nixon warnte vor einem „roten Sandwich“ in Lateinamerika. Der Boykott gegen Allendes Regierung war massiv und reichte von medialer Manipulation bis hin zur künstlichen Stilllegung von Fabriken.
In diesem Klima des Widerstands entstanden die Cordones Industriales: Arbeiterinnen besetzten die Fabriken und führten die Produktion in Eigenregie fort. Mit dem blutigen Militärputsch am 11. September 1973 endete dieser Prozess abrupt. Linke Aktivistinnen wurden ermordet, verschleppt und gefoltert. Tausende Arbeiter*innen aus den besetzten Betrieben wurden in das Nationalstadion verschleppt, das sich zum größten Gefangenenlager des Landes entwickelte.
Regie: Valeria Yáñez
Autor*innen: Valeria Yáñez, Renata Puelma, Dephi Castellano, Constanza Leiva, Victoria Hernández.
Mit: Victoria Hernández, Loreto Vilches, Constanza Leiva, Dephi Castellano, Valeria Yáñez
Kostüm: Dephi Castellano
Lichtdesign und Technik: Rocío Linsambarth
Video und Tontechniker: Gabriel de la Hoz
Produktion und Übertitel: Renata Puelma
Projekt finanziert durch den „Fondo Nacional de Desarrollo Cultural y las Artes“ (Fondart)- Línea de Circulación Internacional , Segundo llamado, Convocatoria 2025 (Chile)

Location

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Linienstraße 227 10178 Berlin