In the organizer's words:
Das Ensemble KNM Berlin begibt sich auf eine Reise, um Momente des Zyklischen und Rituellen in der zeitgenössischen Musik zu erkunden. In Werken von Fang-Yi Lin, Tine Surel Lange, AnA Maria Rodriguez und Zesses Seglias entdecken die Musiker*innen, wie Mythen und transzendente Erfahrungen sich mit individuellen Erinnerungen und Erlebnissen kreuzen.
GUA bedeutet im taiwanesischen Dialekt Hokkien nichts anderes als „Song“. Die Komposition von Fang-Yi Lin basiert auf zwei Gedichten von Hu Chang-sung (Oo Tiong-siong) und macht die unterdrückten Sprachen Taiwans sichtbar, die nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990 aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden. Durch diese Situation war es für die Komponistin zunächst eine Herausforderung, in Hokkien verfasste Gedichte oder Romane in chinesischen Schriftzeichen zu lesen. Schließlich gelang ihr ein Verstehen durch lautes Lesen und Zuhören; eine Erfahrung, die sie in Gesang übersetzte. Für GUA verwendet Fang-Yi Lin westliche und traditionelle Perkussionsinstrumente sowie ein taiwanesisches Kinderlied – „wie eine kleine Insel, die die Kulturen und Sprachen vieler Communities trägt, die gezwungen wurden, sich zu verbergen.“
Die norwegische Komponistin und interdisziplinäre Künstlerin Tine Surel Lange führt eine intensive Auseinandersetzung mit der Beziehung von Mensch und Natur sowie den Mythen und Geschichten, die dieses komplexe Verhältnis hervorbringt. In Apotheosis verflechten sich die eindringlichen visuellen Eindrücke eines erhabenen arktischen Strandes mit dem Mythos von Odin, dem Allwissenheit und eine Position über allen Göttern zugeschrieben wird. Lange verbindet in ihren Untersuchungen eines „immer stärker werdenden Gott-Komplexes der Menschheit” visuelles Material und musikalische Bewegungen mit persönliche Erinnerungen und einer Suche nach Ewigkeit.
Die argentinische Komponistin AnA Maria Rodriguez entwickelt in Nomenclature of Colours nuancenreiche klangfarbliche Assoziationen. Ausgehend von Forschungen des Geologen Abraham Gottlob Werner und Illustrationen des schottischen Pflanzenmalers Patrick Syme überträgt sie die 110 Abstufungen von Farbtönen, die Werner in der belebten und unbelebten Natur beobachtete, in eine Klangperformance. Das Publikum ist zur Erkundung feinster klanglicher und visueller Verschiebungen eingeladen, während das intensive Hören der spektralen Klänge und die fein abgestimmten Lichtspiele einen ritualhaften Raum entstehen lassen.
Der griechische Komponist Zesses Seglias befasst sich in ...a drop on my fingers, two lips as a fuzz, a sun on our heads (is the pattern) mit Klangeindrücken am Rande des menschlichen Fassungsvermögens, „so wie die Sonne jenseits des Universums liegt und über unseren Köpfen der Klang verlischt.” Im Zentrum seiner Komposition steht ein harmonisch komplexer und resonierender Klang. Wie in feinen, engen Kreisen werden die spektralen Elemente dieses Klangs erkundet, wodurch die zirkuläre Struktur des Stücks entsteht. Die Zeit scheint zuweilen stillzustehen, dann öffnen sich metaphorische Fenster, durch die die Lichter der Erinnerung wehen und ihre Spuren hinterlassen.
Programm
Fang-Yi Lin
GUA (2024)
für Schlagzeug solo nach zwei Gedichten von Hu Chang-sung (Oo Tiong-siong)
Auftragswerk des Ensemble KNM Berlin
Tine Surel Lange
Apotheosis (2023)
für Kontrabassklarinette, E-Gitarre, Cello, Kontrabass und Video
Auftragswerk von Frequenz_Festival und Heroines of Sound Festival, gefördert von Arts and Culture Norway, geschrieben für das Ensemble KNM Berlin
AnA Maria Rodriguez
Nomenclature of Colours (2024)
für Streichtrio, Elektronik, resonierende Gongs und Videoprojektionen
Auftragswerk von singuhr e. V.
Zesses Seglias
…a drop on my fingers, two lips as a fuzz, a sun on our heads (is the pattern) (2026)
Uraufführung
für Ensemble und optionale Lichter
Auftragswerk von Greek National Opera Alternative Stage und Ensemble KNM Berlin
Besetzung
Ensemble KNM Berlin
Rebecca Lenton – Flöte
Theo Nabicht – Bass- und Kontrabassklarinette
Michael Weilacher – Schlagwerk
Seth Josel – E-Gitarre
Theodor Flindell – Violine
Kirstin Maria Pientka – Viola
Cosima Gerhardt – Violoncello
Jonathan Heilbron – Kontrabass
Price information:
Eintritt frei, kostenloses Ticket erforderlich.
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