In the organizer's words:
Das Theaterstück des Dramatikers Peter Weiss von 1965, thematisiert den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 mit den Mitteln des dokumentarischen Theaters.Es wurde am 19. Oktober 1965 uraufgeführt.
Die Ermittlung hat seit den 1990er Jahren eine besondere Bedeutung im Rahmen der deutschen Erinnerungskultur.
„Gleichschaltung des schlechten Gewissens“, „Wiedergutmachungssensation“ „kommunistisches Thesenstück“ – kaum eine Schmähung, die dem Stück nicht zuteilwurde, das auf Zeugenaussagen und Verhören des ersten Auschwitzprozesses beruht, der im Dezember 1963 begonnen hatte.
Die Debatte über die Zulässigkeit des von Weiss gewählten ästhetischen Verfahrens wurde über Wochen in Presse und Rundfunk geführt.
Generalverdacht gegen den sozialistisch gesinnten Exilanten Peter Weiss; Diffamierung einer „Ermittlung“ über das Vernichtungslager Auschwitz als Propaganda. Dennoch – gerade deshalb – traf dieses Stück den Nerv der Zeit. Schlagartig löste sich das zwei Jahrzehnte lang gesammelte Schweigen über Auschwitz.
Das Theaterprojekt arbeitet mit Profis und spielerfahrenen Amateuren. Das Ensemble besteht aus 22 Darstellern/innen.
Regie: Jens Dornheim
Musik Kompositionen Danny Tristan Bombosch
Kostüme: Angela Heid-Schilling
Bühne: Gesa Gröning
Video: BS Film
Produktionsleitung: Ulrich Penquitt ( triastheater. )
Das Theaterstück ist untertitelt mit „ Oratorium in 11 Gesängen“. Ein Oratorium ist eine relativ feste konzertante Form. Es ist in der Regel eine mehrteilige und mehrstimmige dramatische Erzählung eines religiösen Inhalts. In Westeuropa meist für die Passions- und Weihnachtsgeschichte genutzt.
Im vorliegenden Oratorium wird der Zivilisationsbruch des Holocaust zu einem Kerngeschehen, das jegliche Rettung ausschließt.
Die elf „Gesänge“ der Ermittlung, die sowohl erzählende wie auch dialogische Funktion haben, fassen die Aussagen gegen verschiedene Bewacher wie in Kapiteln thematisch zusammen. Sie folgen dem Weg der Opfer von der Rampe bei der Ankunft in Auschwitz bis zum Feuerofen, so dass von immer grausameren Facetten der anonymen Massenvernichtung berichtet wird.
Es präsentiert die Aussagen von Angeklagten und Zeugen, von Verteidigern, Anklägern und Richtern auf eine solche Weise, dass die Widersprüche zwischen den Aussagen der Täter und der Opfer den ganzen Text durchlaufen und die Zuschauer ohne einen festen Boden permanent zu eigenen Wertungen zwingen.
Das offene Ende des Stücks entspricht dem Ansatz des Autors, der die gesellschaftliche Verantwortung des Individuums und seine Wahlmöglichkeiten auch unter den Rahmenbedingungen der Diktatur fokussieren wollte.
Es verzichtet bewusst auf ausschmückende Elemente: Das Bühnenbild sich auf einen nüchternen Gerichtssaal, um jede Ablenkung von den Zeugenberichten zu vermeiden. Der Text besteht aus einem klaren, überschaubaren Satzbau. Nur das Wort zählt, durch das sich dem Zuschauer das Leben und Sterben im Konzentrationslager vermittelt – ungeschmücktes Material für das Urteil der Zuschauer; das Geschehen wird sachlich, nüchtern und weitgehend ohne Emotion erzählt:
Obgleich der Autor das Oratorium als „Drama“ bezeichnet, spricht er sich wegen der Emotionalisierungen des Stoffes gegen eine realistische Darstellung aus – die einzige erwähnte Emotion ist das sich wiederholende Lachen der Angeklagten und ihre Empörung über die Anschuldigungen.
Durch diese Verfremdungseffekte wird eine intensivere dramaturgische Wirkung auf den Zuschauer erzielt. Die Angeklagten versuchen mit verschiedenen Entlastungsstrategien ihr Handeln abzustreiten, zu verharmlosen oder zu rechtfertigen:
Nur wenige Angeklagte bekennen sich zu ihrer Schuld. Auch die Zeugen argumentieren überwiegend apologetisch. Weiss wird noch deutlicher. In den Ermittlungen erläutert der früher politisch tätige Zeuge 3, dass der Massenmord ohne die Unterstützung von „tausend Amtsstellen“ und „Millionen anderer“ nicht hätte funktionieren können, was die Verteidigung richtig als Vorwürfe „gegen eine ganze Nation“ versteht.
„Wir kannten alle die Gesellschaft, aus der das Regime hervorgegangen war, das solche Lager erzeugen konnte. Die Ordnung, die hier galt, war uns in ihrer Anlage vertraut, deshalb konnten wir uns auch zurechtfinden in ihrer letzten Konsequenz, in der der Ausbeutende in bisher unbekanntem Grad seine Herrschaft entwickeln durfte und der Ausgebeutete noch sein Knochenmehl liefern musste.“
– Hannah Arendts eher psychologische Beobachtung am Einzelfall Eichmann wird von Peter Weiss zu einer Kritik am Kapitalismus erweitert.
Angesprochen wird ein Publikum von 14-99 Jahren.
https://www.triastheater.de/
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Veranstaltungsdatum
05.07.2026, 17:00 Uhr
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