PHOTO: © Izzy Collie

Gut Gemacht! – Eine Versuchsanordnung über Werteverschiebung

In the organizer's words:
Vier Performer*innen untersuchen die Regeln von Exzellenz und Dillettantismus* als gleichwertige Spielzüge. Zwischen Tanz, Musik und absurden Anleitungen entsteht eine choreografische Partie mit, gegen und jenseits der gängigen Maßstäbe von Kunst.Was ist das Verhältnis von Exzellenz und Dillettantismus, und was ist am Dillettantismus womöglich genialer als an der gut gemachten Exzellenz? “Gut gemacht!” bezieht sich auf das vom französischen Fluxus-Künstler Robert Filliou entworfene System der Urteile “gut gemacht”, “schlecht gemacht” und “nicht gemacht”. Die choreografische Arbeit verhandelt dieses System anhand taktloser Tänze, trotzigen Gesangs, Musik mit Donnerblech, Flöte und Drehleier, absurder Tutorials und gespielter Gerichtsprotokolle. Sprache und Form verhalten sich dabei wie Spielpartner*innen, die sich nicht ganz einig sind. Statt Eindeutigkeit entsteht ein absurdes Nebeneinander von Widersprüchen, das sich seiner Deutbarkeit immer wieder geschickt widersetzt.Werke von Künstler*innen wie Gabriele Stötzer (Erfurt/DDR) oder der Band “Die Tödliche Doris” (West-Berlin) flankieren das Geschehen auf der Bühne mal mehr, mal weniger subtil. Diese avantgardistischen künstlerischen Positionen forderten auf beiden Seiten der Mauer Paradigmen in Kunst, Musik, Lebensstil und sozialen Zusammenhängen heraus und widersetzten sich gesellschaftlichen Normen mittels künstlerischer Gesten. Auf einem überdimensionierten Billardtisch spielen Antonia Baehr, Jule Flierl, Hermann Heisig und Claire Vivianne Sobottke mit den heutigen Regeln der Kunst eine Partie – mit ihnen, gegen sie und manchmal auch an ihnen vorbei.Die kollaborative Zusammenarbeit zwischen den vier Künstler*innen ist aus langjährigen Beziehungen entstanden, die sich über unterschiedliche Arbeitskonstellationen hinweg entwickelt haben. Getragen wird sie von einem gemeinsamen Interesse und dem Wunsch nach einer kollektiven Autor*innenschaft auf Zeit. So verbinden sich vielfältige Erfahrungen aus unterschiedlichen Disziplinen zu einem gemeinsamen Arbeitsprozess.Presse:“Die Performer*innen agieren hyper-körperlich, jedes Wort wird von drei Gesten begleitet, oder vielmehr simultan in drei Gesten übersetzt, als würde sprechen nie ausreichen, um verstanden zu werden; das Sprechen selbst tritt als gesamtkörperlicher Prozess auf, Silben werden aus Körpern herausgekurbelt, gehieft, gestemmt.” (Jorinde Minna Markert, Nachtkritik) *“Geniale Dilletanten” war der absichtlich falsch geschriebene Titel eines Musikfestivals, das 1981 im Berliner Tempodrom stattfand und zum Synonym einer kurzen Epoche künstlerischen Aufbruchs wurde.

Location

HAU - Hebbel am Ufer Stresemannstr. 29 10963 Berlin

Get the Rausgegangen App!

Be always up-to-date with the latest events in Berlin!