In the organizer's words:
Heimat als Körper in Verschiebung. Erinnerung als untergetauchter Atem.
PIRARUCU nähert sich dieser Setzung über den Körper. Ausgehend von der Erfahrung, fern von Brasilien zu leben, entfaltet das Stück eine choreografische Untersuchung migrantischer Körper in Bewegung. Körper, die zwischen Sprachen, Klimazonen und Lebensrealitäten existieren. Heimat wird hier nicht geografisch verstanden, sondern körperlich, als Nerv, als Geste, als chemische Erinnerung von Sehnsucht.
Zwischen Biologie und Metapher wird der Pirarucu Führer und Spiegel dieser Untersuchung. Als einer der wichtigsten Fische des Amazonas und weltweit größter Schuppenfisch der Süßgewässer lebt er in Flüssen, Seen und Überschwemmungsebenen des Amazonasbeckens. Eine flexible Rüstung aus Schuppen schützt ihn in feindlichen Umwelten. Sein Name trägt indigenen Ursprung. Pira bedeutet Fisch, urucu rot. Sprache selbst wird so zum Träger eines Territoriums.
Dieser ancestrale Fisch atmet Luft, lebt jedoch untergetaucht. Er existiert zwischen Umwelten, im Zustand permanenten Überlebens. Seine Lungenstruktur entstand aus dem Kollaps der Kiemen und offenbart ein biologisches Paradox, das an den migrantischen Körper erinnert, der gezwungen ist, seinen Atem neu zu organisieren, um in einer anderen Umgebung bestehen zu können.
Auf der Bühne entfaltet sich eine raue, dystopische Landschaft, die an einen ausgetrockneten Süßwasserstrand erinnert. Fünf brasilianische Tänzer*innen bewegen sich durch diesen Raum, nähern sich einander, entfernen sich wieder. Gesten verweben Abwesenheit mit Begehren, Erinnerung mit Anpassung. Atem wird hörbar. Bewegung wird Übersetzung. Der Körper wird zum Gewebe, das sichtbare und unsichtbare Grenzen durchquert.
PIRARUCU entwirft eine sinnliche Kartografie des Körpers in Verschiebung. Zugehörigkeit wird spürbar. Heimat erscheint als physiologische Erinnerung, etwas, das nicht verloren geht, sondern im Körper weiterlebt. Tanz wird zum Akt des Überlebens. Das Atmen unter Wasser. Der Tanz bewahrt das Zuhause, kreiert aus unsichtbaren Schichten der Bewegung.
PIRARUCU entstand aus dem kollaborativen Projekt NÓS, initiiert von Lívia Maria Delgado als Reaktion auf die öffentlichen Förderkürzungen der freien Szene in Berlin 2025/2026. Ausgangspunkt war eine einfache Geste: den Probenraum zu öffnen und ihn als Ort sporadischer Begegnungen und künstlerischen Austauschs zwischen Tänzer*innen zu begreifen.
Von Lívia eingeladen, schlug Clébio Oliveira vor, diese Treffen in einen gelenkten choreografischen Prozess zu überführen. Er regte an, das Stück ausschließlich mit brasilianischen Tänzer*innen zu entwickeln, die in Berlin leben, um der migrantischen Erfahrung eine unmittelbare, viszerale Präsenz auf der Bühne zu verleihen.
Auf der Bühne stehen fünf brasilianische Tänzer*innen, begleitet von der Komposition eines brasilianischen Musikers. PIRARUCU verbindet amazonische Erinnerung, die Berliner Gegenwart und Körper, die Flüsse in sich tragen.
Price information:
10.00 - 15.00€ Schüler*innenticket: 7.00€
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