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Vergessene Arbeitskämpfe – ein Punk-Abend
PHOTO: © Thomas Aurin

Vergessene Arbeitskämpfe – ein Punk-Abend

In the organizer's words:

Einlass 21:00, Beginn 22:00 Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen dem mit unserer Konzertreihe etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Seit Februar 2019 wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet. Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus. Bands: Dachlawine und Eat Lipstick Arbeitskampf: Hurenstreik, Lyon 1975 Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner Dramaturgie: Sabine Zielke [large]Eat Lipstick Die berühmt berüchtigten Punk-Rocker von EAT LIPSTICK vereinen den urbanen Spirit der Los Angeles Music Szene und den Charme des Berliner Untergrundes. ANITA DRINK ist die Königin des Glam, gesegnet mit einer Stimme, die Lebendige verzückt und Tote aus dem Jenseits erweckt. Gemeinsam mit dem Gitarrenvirtuosen THE SHREDDER, der Groupies gleichermaßen verängstigt wie beeindruckt, formte sie diese Band – ein Phänomen, von dem sich nach einer ihrer fulminanten live Shows erst einmal alle Beteiligten von diesem Tornado aus Glitzer und Rock erholen müssen. High Heels, Perücken, eine charismatisch schillernde Show und Musik, die wortwörtlich mit Herzblut geschrieben ist, beschreiben EAT LIPSTICK nicht mal annähernd. https://www.youtube.com/channel/UCTy0ukq3lOTpWXtR0PG1xIQ https://www.facebook.com/eatlipstickrocks/ http://eatlipstick.com/home/ https://eatlipstick.bandcamp.com/ [logo eatlipstick 350] [large]Dachlawine Randale ist immer gut! Der melodische "Naturkatastrophenpunk aus Potsdamned" serviert ein solidarisches Mit- und Füreinander gegen schlechte Gedanken, packen dich unterm Arm und nehmen dich mit. Im Uffta-Rhythmus und einem supermelodischen Leadgitarrenspiel werden Krallen ausgefahren und widerspenstige Inhalte transportiert. Der Himmel ist kalt und grau, und du bist es auch. Bei all der Scheiße und den unmenschlichen Missständen bleibt dir das Lachen im Halse stecken. Ob Sexismus, Rassismus, Patriarchat oder Homophobie. Punk als eine Art Zusatz, ein ideologischer Ausgangspunkt, offensiv und mit viel grrr vorgetragen. Inklusion statt Exklusivität. Wann hört der Wahnsinn endlich auf? Während du noch übers Wetter redest, reißen DACHLAWINE Mauern ein... auch dir in deinem Kopf. Rabatz, Ratz und Rübe-Modus und Randale. Das sind die allerbesten Zutaten für autonome Tanzmusik in Reinkultur. [logo dachlawine 200] [large]Lyon, Frankreich 1975: „Der Staat ist der größte Zuhälter!“ Text von Maximilian Riethmüller Frankreichs Prostitution der 50er Jahre geriet zunehmend zum Gewerbe von ausbeutender Zuhälterei und Menschenhandel. Die florierende Billigprostitution schuf Zustände, die an erschöpfende Fließbandabfertigung erinnerte. Um dieser Situation ein Ende zu bereiten, unterschrieb Frankreich 1960 die „UN-Konvention zur Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer“. Es sollte helfen, die Ausbeutung von Frauen mit Hilfe staatlicher Kontrollen in den Griff zu bekommen. Geholfen hat es reichlich wenig. Denn lediglich das gewerbliche Betreiben von Bordellen wurde kriminalisiert; die Prostitution an sich blieb legal. So verlagerte sich „die käufliche Liebe“ von den Häusern auf die Straße und die Prostituierten waren nun ganz der Willkür der Freier ausgesetzt. Französische Prostituierte der 70er Jahre (von den männlichen Kollegen ganz zu schweigen) befanden sich nun in einer üblen Situation. Einerseits waren sie das Aushängeschild der sittlichen Verkommenheit und hatten mit Anfeindungen aus Bevölkerung und Politik zu kämpfen. Andererseits wurden sie wie ein „notwendiges Übel“ betrachtet und auch so behandelt; ausgebeutet und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Vollends unzumutbar sollte die Situation allerdings werden, als sich die französische Sittenpolizei dazu aufschwang, Razzien und Hexenjagden abzuhalten, um die Prostituierten gewaltsam aus der Öffentlichkeit zu vertreiben. Nach übertriebenen Haftstrafen, überzogener Besteuerung und nicht nachgegangen Mordfällen an zwei Prostituierten, entschlossen sich 60 Frauen am 2. Juni 1975, die Kirche von St. Nizier in Lyon zu besetzen und für ihre Rechte als Sexarbeiterinnen zu streiten. Unter den Transparenten „Der Staat ist der größte Zuhälter“ und „Unsere Kinder wollen nicht, dass ihre Mütter ins Gefängnis kommen“ versammelten sich Rufe nach Gleichbehandlung und Anerkennung ihres Berufsstandes. Eine Handvoll Sexarbeiterinnen veranstalteten im selben Jahr eine Demonstration in Marseille, ohne nennenswerte Aufmerksamkeit zu erregen. Die Lyoner Kirchenbesetzung aber schlug so hohe Wellen, dass sogar Simone de Beauvoir zu Besuch kam. Der Protest breitete sich aus bis nach Grenoble und Paris und in der Kirche von Lyon verdoppelte sich die Anzahl der Frauen schnell. Zum ersten Mal wurden diese Frauen nicht nur als professionelle Sünderinnen oder Gescheiterte gesehen, sondern als Menschen mit nachvollziehbaren Bedürfnissen und Ängsten. Die Demonstrantinnen schrieben einen offenen Brief an Präsident Giscard d'Estaing, in dem sie an die universellen Rechte aller Französinnen appellierten. Der rechtsliberale Staatspräsident antwortete nicht. Dafür hatten die Knüppel der französischen Bullen, die nur acht Tage nach Beginn der Besetzung die Frauen brutal aus der Kirche prügelten, eine recht deutliche Sprache. Lässt sich also fragen: Was wurde gewonnen? Öffentlichkeit. Eine Öffentlichkeit, die ein anderes Frauenbild bereit war zu verstehen. Die beginnen einzusehen, dass prostituierte Frauen Menschen mit Rechten sind. Mit Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und mit Recht auf Arbeit. Dass sie Mütter, Schwestern, Töchter, Ehefrauen und Partnerinnen sind, die Solidarität im zermürbenden Kapitalismus verdienen. Der 2. Juni 1975 gilt als Geburtsstunde der europäischen Hurenbewegung und ist heute das Datum des Internationalen Hurentages.

Location

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Linienstraße 227 10178 Berlin
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
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