In the organizer's words:
Mit einer wilden Sturmmusik enden Benjamin Brittens Sea Interludes aus seiner Erfolgs-Oper Peter Grimes. Die Vision des tragischen Helden von Glück und innerem Frieden wird hier von einem letzten Orchesterausbruch hinweggefegt. Beim Konzert des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Simone Young folgt das Adagio aus Gustav Mahlers unvollendeter 10. Sinfonie: ein „Lebenstornado“ (Jens Malte Fischer), der in einer der schwersten Krisen entstand, die der Komponist im letzten Sommer seines Lebens zu durchleiden hatte. Oszillierende Flächen prägen die Klanglandschaft Sappho/ Bioluminescence der australischen Komponistin Liza Lim, bevor der Abend mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 ausklingt.
Britten widmete seine Oper Peter Grimes dem „ewigen Kampf der Männer und Frauen, deren Lebensunterhalt vom Meer abhängt“. Noch vor der Premiere fasste er vier der orchestralen Vor- und Zwischenspiele zu den Sea Interludes zusammen – einer Abfolge ungemein plastischer Miniatur-Tondichtungen, die die englische Nordseeküste mit ihren dramatischen Steilklippen, malerischen Fischerdörfern und tosenden Stürmen in Klang fasst. Einen Seelensturm komponierte Gustav Mahler mit dem berühmten Adagio der 10. Sinfonie, nachdem er von der Affäre seiner Frau Alma mit Walter Gropius erfahren hatte: Musik, die konsequent auf die Katastrophe ausgerichtet ist, mit einem gleißend dissonanten Neuntonklang, der sich nach einem schrill ausgehaltenen A der Geigen (A wie Alma!) allmählich aufbaut. Sprechende Musik: Mit ihr ließ der britische Regisseur Ken Russell in seinem Mahler-Film von 1974 das berühmte Komponierhäuschen Mahlers in Flammen aufgehen. Flirrende Streicherflächen, irisierende Bläserklänge und mikrotonale Glissandi bestimmen wiederum das atmosphärische Orchesterstück Sappho/ Bioluminescence von Liza Lim. Der zweiteilige Titel verweist auf die fragmentarisch überlieferte, geheimnisvolle und zeitlos wirkende Liebeslyrik der im Titel erwähnten antiken Dichterin, die mit dem Bild eines inneren, körperlichen Leuchtens verbunden wird. In die Zeit der Napoleonischen Kriege führt schließlich Beethovens Fünftes Klavierkonzert, in das der Komponist seine patriotischen (nun antinapoleonischen) Ansichten einfließen ließ. Bezugnehmend auf den im angelsächsischen Sprachraum gebräuchlichen Beinamen „The Emperor“ brachte der Musikwissenschaftler Harry Goldschmidt daher auch den weitaus treffenderen Titel „The Anti-Emperor“ ins Spiel.
Price information:
24,00 - 70,00€ Tickets ab 15. Juli unter dso-berlin.de