Ambivalenz der Figur Medea ist es geschuldet, dass sich ihr Handeln und ihre Motive einfachen Erklärungsmustern entziehen. Sie ist nicht Opfer oder Täterin, sondern vielleicht beides zugleich. Euripides, der jüngste und modernste der drei großen Tragödiendichter der griechischen Antike, hat seine Hauptfigur aus der mythologischen Distanz befreit und in Medea das verstörend Menschliche freigelegt.
Ausgehend von Euripides untersucht Karin Henkel, eine der renommiertesten Regisseur*innen des deutschsprachigen Raums und bereits sieben Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen, das Ungeheuerliche vorsätzlicher Fremd- und Selbstzerstörung. «Medea» ist Karin Henkels erste Regiearbeit am Residenztheater.