Mit dem Erstarken rechter Kräfte in Europa und den USA gerieten auch Kulturinstitutionen verstärkt unter den Druck politischen Gruppierungen, die staatlich geförderte Museen, Theater oder Erinnerungsstätten als wirkmächtiges Aktionsfeld ihres Kulturkampfes gegen eine progressive Gesellschaft begreifen. Die dafür symptomatischen aggressiven Attacken auf Kultureinrichtungen in Form anonymer Hassmails, Bomben- und Morddrohungen nehmen weiterhin stark zu. Als ein Bespiel für die Auswirkungen kulturpolitischer Repressionen, das Kulturschaffende weltweit empörte, ist der Rücktritt des langjährigen Museumsdirektors Manuel Borja-Villel zu nennen. Ihm wurde unter anderem von der rechtsgerichteten Presse vorgeworfen, mit seiner dekolonialen Sammlungspräsentation am Museo Reina Sofía einen „monolithischen ideologischen Diskurs“ zu verfolgen. Weniger Aufmerksamkeit erregen hingegen die fast täglichen Angriffe auf kleinere, lokale Kulturinstitutionen, die besonders stark auf öffentliche Mittel und Unterstützung angewiesen sind.
Das Titelthema der aktuellen TEXTE ZUR KUNST-Ausgabe – „Ohnmacht“ – aufgreifend und fortführend, widmet sich der Velvet Voice Club dieses Mal der Frage, inwieweit Kulturinstitutionen durch besagte Entwicklungen erzeugten Ohnmachtsgefühle auch als Impetus für die eigene Ermächtigung nutzen können. Welche Handlungsspielräume gibt es, um auf gewalttätige rechte Gruppen und politische Schikanen sowohl auf der kommunalen als auch auf Länderebene zu reagieren? Und wie lässt sich, diesen Widrigkeiten zum Trotz, eine inklusive, engagierte Kulturpolitik realisieren?