In the organizer's words:
Der Intellektuelle als Unruhestifter. Wolfgang Pohrt titelt der Verleger Klaus Bittermann diese umfangreiche Biographie. Sie steht im Mittelpunkt des Abends. Klaus Bittermann stellt Wolfgang Pohrt vor, in Äußerungen anderer Autor:innen und Freund:innen. Dann die Zeitreise, 68 beispielsweise, die Folgezeit, die Friedensbewegung. Und die großartige Sophie Rois liest und liest…
Als Anfang der Achtziger Jahre Wolfgang Pohrt die öffentliche Bühne betrat, wurde den Leser:innen schnell klar, dass da jemand einen neuen Ton anschlug. Pohrt verstand es, seine Thesen mit großer Schärfe, Klugheit und Eleganz zu formulieren. Seine Kritik an den Grünen und der Friedensbewegung ist legendär, vor allem, seit diese nationale Töne anschlugen und die Nation nicht mehr abschaffen, sondern retten wollten. In seiner Biographie wird daran erinnert, dass die Linke in Deutschland zwar versagt hat, aber dank Wolfgang Pohrt das Niveau der Kritik an ihr weit besser war, als sie es verdient hatte, man kann sagen, dass ein realistisches Bild von ihr nur deshalb erhalten geblieben ist, weil Pohrt sich ihrer Fehler und Eigenarten angenommen und damit die Mythenbildung erschwert hat.
Mit seiner großen Massenbewusstseinsstudie der Deutschen und dem Konkret-Kongress 1993 kündigte sich sein Abschied an, aber auch heute macht sich sein Einfluss bemerkbar, als ob seine Gedanken wie ein schwacher unterirdischer Strom immer wieder einen Nerv treffen und eine Reaktion erzeugen.
(Klaus Bittermann über seine Biographie Der Intellektuelle als Unruhestifter. Wolfgang Pohrt.)
Wolfgang Pohrt (1945:- 2018) studierte Soziologie, Psychologie, Politische Wissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Frankfurt und Berlin. 1976 erschien seine Dissertation Theorie des Gebrauchswerts. Er arbeitete vals Assistent am Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Lüneburg, danach als freier Publizist Er erstellte im Auftrag der von Reemtsma ins Leben gerufenen Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur Studien über das „Massenbewusstsein“ in Deutschland, die sich methodisch an Adornos The Authoritarian Personality orientierten. Danach Tätigkeiten in verschiedenen Forschungsbereichen. Erst 2011 schaltete sich Wolfgang Pohrt wieder in öffentliche Debatten ein, hielt Vorträge und publizierte weitere Bücher.
„Wolfgang Pohrt ist ein richtiger Chaot, der manchmal schlimme Sachen schreibt und dennoch, oder vielleicht deshalb, Geschichten aufreißt, die wir einfach routinemäßig plattgesessen haben.“ – Hermann L.Gremliza
Klaus Bittermann, geboren 1952, ist Verleger der Edition Tiamat, Buchautor und Journalist. Er lebt in Berlin. Seit 2018 gibt er die Werkausgabe der Schriften Pohrts heraus, die 2022 abgeschlossen sein wird. Wolfgang Pohrt und Klaus Bittermann waren seit 1983 freundschaftlich verbunden und seither in die gesellschaftlichen Debatten verwickelt.