Was bedeutet es einen Vogel zu haben? Oder gar hunderte? In der Ausstellung erhalten wir Einblick in das historische Bildarchiv der Verhaltensforscher*innen-Familie Heinroth. 18.000 Vogelarten der Natur sind uns bekannt – und werden fantasievoll um ein paar unheimliche, geheimnisvolle Kreaturen von Künstler Edward Summerton ergänzt. Vögel sind oftmals kaum sichtbar, versteckt oder fern, und dennoch sind sie akustisch präsent. Das Fotoprojekt For Bird’s Sake von Cemre Yeşil & Maria Sturm beschäftigt sich mit dem Phänomen des Vogelbesitztums in der Türkei: Männer, die in dunklen Kästen Vögel halten, um sich so deren Gesang habhaft zu werden. Überlegung zu Besitztum, Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht werden von der Fotoserie angestoßen. Können sich Menschen die Sprache der Vögel aneignen, um miteinander zu kommunizieren? Die Videoarbeit The Calling von Angelica Mesitis zeigt entlegene Täler Europas, in denen eine Vogellaut ähnliche Pfeif-Sprache kultiviert wurde, mit deren Hilfe sich Menschen über große räumliche Distanzen hinweg austauschen können.
Die Auseinandersetzung der Kunst mit Vögeln mag überraschend sein und ist zugleich naheliegend, sind doch Vögel seit Jahrtausenden stetige, omnipräsente Begleiter im menschlichen Leben. Sämtliche Sprach- und Bildkulturen, Mythologien und Religionen sind durchzogen von Vogel-Geschichten, und vieles scheint so selbstverständlich, dass man diese Nähe routiniert übersieht. Die Ausstellung zeigt Künstler*innen als Beobachter*innen und ermuntert im Sinne vieler Ornitholog*innen sich Zeit zum Staunen zu nehmen. Freiheit, Unbeschwertheit, Schönheit, Erhabenheit und Weite wird oft mit Vögeln assoziiert, während ebenso despektierlich und überheblich über viele Vogelarten geurteilt wird. Mit kaum einer anderen Spezies ist unser Umgang so ambivalent. Die Ausstellung Birds bietet eine vielschichtige und feinsinnige Analyse über Kunst mit, für, über und von Vögeln.
Inspiriert von dem Balkonblick des C834 konzentrieren sich die Kurator*innen Lene Harbo Pedersen und Jörg Koopmann für die erste Ausstellung Birds der Trilogie auf über 14 Projekte von internationalen Künstler*innen und Forscher*innen mit einem explizitem Interesse an Vögeln.
Mit Arbeiten von: Björn Braun, Denise Scott Brown. Nicolò Degiorgis & Audrey Solomon. Daniela Friebel, Heinroth-Archiv, Jochen Lempert, Angelica Mesiti, Eadweard Muybridge, Peter Piller, David Shrigley, Guillaume Simoneau, Edward Summerton, Mark Steinmetz, Cemre Yeşil & Maria Sturm
C834
Der Ausstellungsraum C834 ist 2012 im Corbusierhaus Berlin aus einer privaten Initiative des Architekten Peter Ottmann heraus entstanden. Hierfür baute er die Dreiraumwohnung C834 in der 8. Straße in einen Ausstellungsraum um, um einen Ort der Begegnung und eine Plattform für den Austausch über zeitgenössische Kunst und Kultur zu schaffen. Der Raum lädt einerseits seine unmittelbaren Nachbarn – die Bewohner*innen des Hauses – und andererseits internationales Architektur- und kunstbegeistertes Publikum ein, die regelmäßig wechselnden Themenausstellungen zu betrachten.