Die Gesellschaften des globalen Südens kämpfen seit über 100 Jahren für die Rückgabe entzogener und geraubter Kulturgüter und menschlicher Gebeine, die in Europa bewahrt und erforscht werden. Mit der Rede des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in Burkina Faso im November 2017 und dem Restitutionsbericht von Felwine Sarr und Bénédicte Savoy im November 2018 wurde weltweit eine Agenda gesetzt. Anstrengungen zur Aufarbeitung kolonialen Unrechts, zur Neubetrachtung ethnologischer Museumssammlungen, zur Pluralisierung von Wissen und Erinnerung sowie zur Bekämpfung von Rassismus haben an Dynamik gewonnen, treffen aber auch auf Widerstand. Bénédicte Savoy (Berlin) und Ciraj Rassool (Kapstadt) gehören zu den wichtigsten Akteuren in den internationalen Restitutionsdebatten. Sie blicken auf die Kontroversen und Praktiken der letzten fünf Jahre zurück und diskutieren, was seit der Veröffentlichung des Restitutionsberichts aus dem Versprechen einer ‚neuen Beziehungsethik‘ für die Gesellschaften des globalen Nordens und Südens geworden ist.
Die Veranstaltung findet bilingual deutsch/englisch statt.
Nach der Veranstaltung laden wir Sie herzlich zu einem Empfang
in den Räumlichkeiten des Rautenstrauch-Joest Museums ein.
Die ‚Cologne Crossroads Conversations‘
In den postmigrantischen Gesellschaften der Gegenwart treffen unterschiedliche Wissensformen, Erinnerungskulturen und Ansprüche auf Teilhabe aufeinander. Die zum Teil polarisierenden Debatten an Museen und Universitäten verhandeln zugleich zentrale Fragen nach den Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die ‚Cologne Crossroads Conversations‘ sollen Diskussions- und Begegnungsräume schaffen, in denen elementare Formen des Zuhörens und der Differenzierung erprobt werden und Pluralität und Widerspruch willkommen sind. Sie bieten ein Forum, um Debatten miteinander zu teilen und transparent zu machen, die häufig in geschlossenen Seminarräumen und hinter den Kulissen des Museums verhandelt werden. Dabei stehen die Möglichkeiten für neue Formen der Kooperation im Mittelpunkt: zwischen Museum und Universität, aber auch zwischen gesellschaftlichen Akteuren aus dem globalen Süden und dem globalen Norden.
Prof. Dr. Bénédicte Savoy ist vielfach ausgezeichnete Kunsthistorikerin an der TU Berlin. Neben dem Restitutionsreport hat sie zuletzt die Bücher Afrikas Kampf um seine Kunst. Geschichte einer postkolonialen Niederlage (2021) und (mit Albert Guaffo u.a.) Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland (2023) veröffentlicht.
Prof. Dr. Ciraj Rassool ist Direktor des African Programme in Museum and Heritage Studies an der University of the Western Cape sowie Berater zahlreicher nationaler und internationaler Museums- und Kulturerbe-Institutionen. Zu seinen Publikationen gehören The Politics of Heritage in Africa: Economies, Histories and Infrastructures (2015), und Unsettled History: Making South African Public Pasts (2017).
Die Cologne Crossroads Conversations werden ausgerichtet und geleitet von Nanette Snoep, Künstlerische Direktorin des Rautenstrauch-Joest Museums und Professor Dr. Martin Zillinger, Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Universität zu Köln.